Manos arriba!

Wer heute an Banken denkt, der bekommt ein mulmiges Gefühl. Angesichts der im Jahr 2008 ausgebrochenen Weltfinanzkrise wurden Machenschaften ruchbar, die ihresgleichen suchen. Und kein Zitat, das die Kausalität von Kriminalität beschreibt, scheint treffender zu sein als das des großen Dramaturgen Berthold Brechts, der die Frage stellte, was denn der Einbruch in eine Bank sei gegen die Gründung einer solchen.

Nun, bevor man weiter ins Schwadronieren kommt und den Bezug zur Realität verliert, ist es notwendig, bestimmte Bilder ins rechte Licht zu rücken. Die Banken, die sich in besonders negativer Weise als Protagonisten der Weltfinanzkrise profilieren konnten, lagen dieses mal nicht auf irgendwelchen Karibikinseln und auch nicht an der Peripherie Europas oder der USA, sondern im Herzen des westlichen Wirtschaftstreibens. Bis zur Aufdeckung ihrer desaströs spekulativen Unternehmungen schritten sie mit einer Reputation der Seriosität durch die Lande. Ganz im Gegenteil! Die von ihnen getätigten Geschäfte sorgten bei der Politik sogar für Bewunderung.

Das führte dazu, dass politisch gesteuerte Landesbanken zu den wütendsten Verfechtern der riskanten Spekulation wurden und die Politik eigens Emissäre ausschickte, um Bedingungen zu schaffen, die es ermöglichen sollten, selbst an dem Hype zu verdienen. Dass der wildeste Verfechter von Hedgefondsprofiten, der übrigens von einem sozialdemokratischen Finanzminister entdeckt und ermuntert wurde, heute in Brüssel als Konsolidierer und vehementer Verfechter eingeschränkter nationaler Autonomie sitzt, macht die Sache nicht appetitlicher.

Eine andere Triebkraft der Krise waren zweifelsohne die Geldgeber. Sie sind nicht in der Wirtschaft zu suchen, der es trotz aller Spekulationsblasen immer schwerer gemacht wurde, an Geld für Investitionen zu kommen, weil real erwirtschaftete Zuwächse von fünf Prozent bei den Hütchenspielern, die sich mittlerweile in den Schaltzentralen so mancher Bank etabliert hatten, nur noch zu einem müden Lächeln führte. Die Einleger, die unter Gewinnraten von unter dreißig Prozent gelangweilt abwinkten oder wütend auf den Tisch schlugen, trieben selbst die Bankhäuser in das Risiko, die sich konservativ definierten. Die Seite des geldgeilen Mittelstandes und der Neureichen wird bei allen Darstellungen vornehm verschwiegen. Aber gerade sie ist es, die maßgeblichen Anteil an dem Desaster hatte. Warum, so muss die Frage schlicht gestellt werden, gehen Bankhäuser in das Hochrisiko? Weil ihre Kunden strikt dagegen sind?

Als das Kind in den Brunnen gefallen war, waren es gerade die Politiker, die sich jetzt durch eine Generalschelte auf die Banken profilieren wollen, die der sich die Augen reibenden Bevölkerung erzählten, es handele sich um systemisch relevante Geldinstitute, an deren Rettung die Volkswirtschaft ein vitales Interesse habe. Und in der Folge konnte man keine ernsthaften Versuche bemerken, die darauf abzielten, den riskanten Spekulationen ein Ende zu setzen. Auch in diesem Kontext müssen Fragen erlaubt sein. Warum, so die erste, redet man immer von einer Spekulationssteuer, die den Fiskus an erfolgreichen Risikogeschäften beteiligt? Und warum, wäre die nächste Anregung, fordert man nicht den Anschluss an den Katalog der Baseler Selbstverpflichtung von Bankhäusern, der unter anderem die schlichte Regelung vorsieht, dass jede Spekulation mit einer finanziellen Deckung aus dem jeweiligen Bankhaus hinterlegt werden muss? Letzteres ist ganz schlicht und hätte große Wirkung.

Doch davon reden die inszeniert polternden Kritiker der Banken nicht. Vieles deutet daraufhin, dass sie sich profilieren wollen als sozialkritische Saubermänner, die eigentlich mehr für sich beanspruchen. Von der Beute!