Gehen sie zu Ende, die Biographien, die sich ausnehmen wie ein einziger Abenteuerroman? Zumindest heute ist es wieder vorbei mit einer der herzzerreißenden Romanzen des freien Willens. Teófilo Stevenson, genauer gesagt Teófilo Francisco Stevenson Lawrence, der Mann mit dem Namen, der allein für den Kolonialismus stehen könnte, Teófilo Stevenson, das Pendant der Dritten Welt zu dem sagenhaften Muhammad Ali, ist gestern im Alter von 61 Jahren in Havana de Cuba an Herzversagen verstorben.
Seinen ersten Kampf bestritt er 1966 mit Vierzehn und verlor. Von seinen ersten zwanzig Kämpfen unterlag er in vierzehn. Und dann war er da, mit sechzehn Jahren zum ersten Mal Juniorenmeister in Kuba. Es folgten 11 kubanische Meisterschaften, 7 Siege in den Kämpfen über die Boxherrschaft im Schwergewicht in der Karibik, drei Weltmeisterschaften (1974, 1978, 1986) und drei olympische Siege (1972, 1976, 1980). Teófilo Stevenson war das Sportidol der Dritten Welt und der Bewegung der Blockfreien, ein hoch politischer Mensch, der großen Wert darauf legte, Amateur zu bleiben. Er boxte wie ein erstklassiger Amateur, d.h. seine Technik war brillant, sein Tempo atemberaubend und seine Bewegungsabläufe choreographisch. Dennoch verfügte er über den Punch, der alles entscheidet.
Schnell wurde sein Name als der einzig möglich ebenbürtige gegenüber Muhammad Ali genannt. Beide zollten sich großen Respekt und waren einer sportlichen Auseinandersetzung nicht abgeneigt. Die vor allem US-amerikanischen Boxpromotoren wollten Teófilo Stevenson unbedingt ins Profilager locken und boten ihm horrende verlockende Summen. Letztendlich scheiterte der mögliche Kampf gegen Ali an der Weigerung Stevensons, seinen Amateurstatus aufzugeben.
Stevenson war überzeugter Patriot im revolutionären Kuba. Quasi in das Kuba Fidel Castros und Che Guevaras hineingeboren, kannte er noch den Status seines Landes als Spielcasino und Bordell der USA. Er selbst hatte seinen eigenen Aufstieg vehement der Sport- und Erziehungsreform des Neuen Kuba zu verdanken. Trotz der großen Probleme seines Landes, die zwar immer mal wieder anders gelagert, aber nie geringer wurden, blieb er seinem Land gegenüber bis zu seinem gestrigen Tod loyal und ließ sich nicht durch das große Geld locken. Das machte ihn zum Vorbild mehrer Generationen.
Sein wohl berühmtester Satz ist die Antwort auf die Frage, warum er die verlockenden Angebote aus den USA stets abgeschlagen hatte. Bis zum heutigen Tag besitzt dieser Satz nahezu den Status einer Präambel zur kubanischen Verfassung:
„Was ist eine Million Dollar gegen acht Millionen Kubaner, die mich lieben?“
