Archiv für den Monat Mai 2012

Bitter End in Psychiatry

Richard Yates, who was born 1926 in Yonkers, New York and died 1992 in Birmingham, Alabama, seemed to be a writer who described his own career by the titles of his books. Firstly not recognized as an artist of high quality, his narratives and prose fiction became suddenly highly appreciated, to be forgotten later on and rediscovered decades later. His novel Disturbing the Piece, edited in 1975, belongs to the hallmarks of the mentioned titles with a more than mono-thematic sense. After Revolutionary Road (1961), which gave Yates a lot of attention, he was almost forgotten in the seventies and he indeed disturbed the piece of a society already rattled by a cultural revolution but still hold in its social grid irons. Only in the last decades some kind of renaissance came up, caused by the shaken consciousness of a middle class in deep turmoil.

Disturbing the Peace, acting in New York and later Hollywood in the sixties is referring to the upcoming unease of members of the lower middle class, living in standardized suburbs, earning enough money to participate in the progress of society but working in jobs which spend money but no sense at all. The protagonist, John Wilder, employed in advertisement, married to a nice woman and father of a son, shapes his rebellion by alcohol abuse. In one of these cases he ends up in New York Bellevue psychiatric hospital where he faces the possible consequences of his escapades. Deeply traumatized by the treatment there, he starts visiting doctors and joining meetings of the AA. Nonetheless it does not stop him drinking too much. During a business encounter he meets a nice young girl, wealthy by birth and 16 years younger. The affair brings her to the idea to make a movie about of Wilders experience at Bellevue. During the production Wilder has a breakdown.

After he is released and back in New York the young girl leaves him because she is going with a ghost writer of Robert Kennedy (which was a step in the real career of Richard Yates!) to Washington. Wilder is disappointed but re-establishes his marriage and continues to drink heavily until the girl comes back and tells him that she quit the relation to the writer, met her father who is rich and who gave her all the money they want to produce the movie in Hollywood. Wilder quits his job and leaves his family to go with the girl to Hollywood where they have a good start with an agent but where his alcohol abuse is facing a new dimension. The girl leaves him finally and he ends up in California psychiatry where he will never be released again.

The most indicating thesis behind the narrative structure seems to have more than one message. Firstly the shape of the existence of middle class has a deep contradiction in itself: It can deliver a better kind of living in a material way, but lacks in giving more sense. Secondly revolting in using drugs is a lethal illusion. And finally society is closing you up in a madhouse if you do not accept the rules of social piece and convention. If one wants to get an authentic impression of the roaring seventieth in western civilization the book will be a magnificent choice.

Der Fall aus der Zeit

Es waren deutsche Emigranten, genauer gesagt diejenigen, die man später als das politische Exil bezeichnete, die diese Redewendung prägten. Sie beschrieben damit das, was sie selbst erlebt hatten. Standen sie doch, als Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Sportler oder Unternehmer mitten im Leben, wie man so treffend ausdrückt, ehe die faschistische Bewegung kam, die Macht erlangte und sie vor die Wahl stellte, entweder alles aufzugeben und zu fliehen oder zu bleiben und in absehbarer Zeit vernichtet zu werden. Wenn ihnen die Flucht gelang, waren sie wie abgeschnitten vom weiteren Leben in ihrem eigenen Land, während sie in anderen Welten sich ein neues, anderes Leben unter dramatisch anderen Umständen erkämpfen mussten, ging dasjenige in ihrer alten Heimat weiter. Doch sie waren abgeschnitten und die dort Verbliebenen trauten sich oft nicht, Kontakt zu den Emigranten zu halten, weil es lebensgefährlich war dieses zu tun.

Folglich saßen die Emigranten in Marseille und Lissabon, wo sie auf Schiffspassagen in die Freiheit warteten, oder sie hatten es geschafft und waren bereits in New York oder Buenos Aires. Sie hatten alles aufgegeben und kamen in eine neue Welt, die mit der alten wenig zu tun hatte. Nach schon wenigen Jahren konnten sie nicht mehr verstehen, was in dem Land geschah, aus dem sie selbst kamen. Sie sprachen zunehmend vom Fall aus der Zeit, um diesen Zustand der Verständnislosigkeit zu beschreiben, der ihnen als das Schlimmste galt, was ihnen das Exil zumutete. Schrieb man seitdem dem zumeist politischen Exil diesen Preis der Extraktion aus der eigenen kulturellen Identität zu, so muss heute eine Entwicklung hinzugeschrieben werden, die an sich und aus sich selbst heraus zunächst als eine zivilisatorische betrachtet wird.

Es handelt sich hierbei um die die Folgen stetig sinkender Halbwertzeit technischer Innovation. Immer kürzer werden die zeitlichen Abstände zwischen den technisch aufeinander folgenden Lebenswelten. Röhre, Transistor und Chip sind in Rückbetrachtung alles Vorherigen historische Dimensionen, die aufgrund ihrer Folgen für die praktische Lebenswelt als Erscheinung jeweils allein ein Jahrhundert hätten prägen müssen. Stattdessen teilten sie sich eines und stellten die Menschen vor Anpassungsleistungen, die ihrerseits immens waren. Mit diesen jeweiligen Aufwendungen wuchsen die Ängste, diesem irgendwann nicht mehr gewachsen zu sein.

Das wäre nichts Neues, wenn sich die Versagensängste vor dem technischen Fortschritt und seinen Folgen nicht auch bezögen auf die praktische Kritik an ihren Wirkungen. Dann das System der chronischen Verwertung ist ein aggressives und bescheinigt mittlerweile jedem, der technische Innovationen, die auf dem Markt erscheinen, wegen ihrer politischen, gesellschaftlichen, pädagogischen oder kognitiven Folgen kritisiert, als historisch abgelaufenes Exemplar. Mit diesem Stigma ist man jedoch aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Daher versuchen alle, die auch nur halbwegs kritisch zu denken vermögen, diesen Eindruck zu vermeiden und schicken jeder auch nur der Kritik verdächtigen Formulierung die Beschwörung voraus, man lebe in einer vor allem aufgrund der technischen Neuerungen gesegneten Zeit.

Es ist ein schlechtes Zeichen, weil es einen absoluten Anspruch dokumentiert, der hinter dem technologischen Komplex steht, der unsere Lebenswelten dominiert. Die Androhung mit dem Fall aus der Zeit, mit der Entkoppelung vom gesellschaftlichen und kulturellen Leben allein reicht aus, um vehemente Kritik zu formulieren und das totalitäre Denken politisch zu attackieren.

Applikationen zur Zertrümmerung des kognitiven Apparates

Insbesondere die jüngsten Theorien über die Typisierung des Menschen als primordial soziales Wesen sollten beunruhigen. Über allem, was unsere Gattung ausmacht, steht das Bedürfnis, sich in einer sozialen Organisation zu definieren. Alles andere, so sind sich Soziologen, Sozialpsychologen und Psychologen zunehmend einig, spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Grundlage für die Handlungsfähigkeit sozialer Wesen ist die soziale Erfahrung. Letztere sammeln wir in direkten, unmittelbaren Sozialkontakten, aus denen wir unsere Schlüsse ziehen. Wir lernen, welche Reaktionen wir auf unser eigenes Agieren und Verhalten erhalten und wir beobachten, wie wir auf das Verhalten Anderer reagieren. Daraus sammeln wir soziale Erfahrungen, die sich auf unser zukünftiges Verhalten wiederum auswirken.

Analog ist es mit den Räumen, in denen wir uns bewegen. Betreten wir uns unbekanntes Terrain, so müssen wir es erkunden. Wir machen dieses durch Beobachtung von Objekten, denen wir uns nähern und wir machen dieses durch soziale Interaktion, in dem wir andere Menschen fragen, wie wir uns bewegen müssen, um zu unserem Ziel zu kommen. Indem wir das tun, erfahren wir wiederum einiges über die Menschen, die hier leben, arbeiten und den kulturellen Stil dieser Geographie prägen.

Erkenntnisse, die es wert sind, als solche bezeichnet zu werden, haben etwas zu tun mit einem Prinzip von Try and Error im Kontext einer sozialen Interaktion. Unser kognitiver Apparat verarbeitet das Unmittelbare des sozialen Kontaktes nicht nur in einer ganz andren Intensität, vor allem was das Prägende und das Erinnerungsvermögen betrifft. Nein, das Direkte im menschlichen Kontakt sorgt auch dafür, dass sich so etwas wie Intuition herausbildet. Ein Instinkt und Einfühlungsvermögen, wie sich etwas auf das soziale Empfinden derer auswirkt, mit denen wir zu tun haben.

Die Entwicklung so genannter Apps, mit denen uns zuerst die Apple-Welt überzogen hat, ist zunehmend darauf angelegt, uns alles zu ersparen, was uns vor allem in fremder Umgebung sonst nur auf dem Weg eines sozialen Lernprozesses zuteil geworden wäre. Bist du in einer fremden Stadt, so klickst du Apps an, um Sehenswürdigkeiten genannt, den Weg beschrieben, Toiletten geortet, Restaurants empfohlen zu bekommen. Seitdem werden Menschen gesichtet, die in ihnen fremden Städten nicht mehr offenen Blickes, das Gespräch suchend durch die fremde Umgebung flanieren, sondern mit einem Smartphone in der Hand, den Blick auf das Display gerichtet, robotergleich und gebückten Schrittes an ihre vermeintlichen Ziele kommen.

Wenn sie danach von der fremden Umgebung berichten, dann erzählen sie, sie hätten dank der Apps alles gleich gefunden und der Hamburger sei o. k. gewesen. Da hat sich dann keine kulturelle Dimension mehr erschlossen. Großartige Programme, zur Zertrümmerung des kognitiven Apparates. Die schöne neue Welt war wohl schon gestern.