Funk aus dem Hohen Norden

Mo‘ Blow. For those about to Funk

Eines der Merkmale der Globalisierung ist die lokale Entbindung. Wer assoziiert nicht immer noch die Nordseekrabben, die er aus dem Regal holt, als rein friesisches Produkt, obwohl marokkanische Frauen sie geschält haben? Und wer will schon gerne realisieren, dass wesentliche Bauteile französischer Saxophone aus Taiwan stammen? Im Bereich der Musik ist das nicht anders. In Asien gibt es Samba-Formationen, die die brasilianische Herkunft spielend vergessen lassen und im kalten Großbritannien schälen Blueser mit unverwechselbarer Empathie ihre Gitarren, ohne dass sie jemals im Mississippi Delta gewesen wären.

Die deutsche, genauer gesagt, die Berliner Gruppe Mo´ Blow kann mit Fug und Recht für sich reklamieren, eine Funk Band zu sein und was sie machen, überzeugt auch emotional in hohem Maße. Funk, ein Genre, bei dem eher Schlagworte wie James Brown, Marceo Parker, Frank Wesley, Knoblauch, Hitze und Spicy Chicken Wings in den Sinn kommen, kann nicht nur in Alabama, sondern auch in Berlin zu voller Wirkung kommen. Und als sei das nicht genug, hat die Band um Felix F. Falk gleich noch ein Funkschwergewicht aus dem Land der Sonnenfinsternis mit hinzu gebeten. Nach einer Anfrage fungierte schließlich der Schwede Nils Landgren als Produzent des Ganzen.

Das Album For those about to Funk wurde im November 2011 im P1 Studio im Osten Berlins aufgenommen. Zur Gruppe Mo´Blow gesellte sich Nils Landgren und einige Mitglieder seiner Funk Unit. Heraus kam perfekter Funk. Nicht nur, dass die meisten Eigenkompositionen der Band von der Instrumentierung und dem Arrangement her perfekt inszeniert wären. Nein, auch die Phrasierungen tragen das Atmosphärische weiter, welches für den Funk, der aus einem Groove geboren wurde, lebenswichtig ist.

In der Eigenkomposition Fried Chocolate merkt man noch das besondere Setting. Sie hört sich an wie ein ureigenes Stück von Nils Landgren, der auch gleich eine Dominanz setzt, bevor irgendwann ein Baritonsaxophon deutlich macht, dass der Schwede zu Gast in Berlin ist. Bereits bei Eleven Feels Like Heaven zeigt Tobias Fleischer am Bass, was ein hitziger Groove auf Berliner Lehmboden ist und bei Along Came Mag herrscht bereits ein Fusionzustand im Funkzusammenspiel zwischen Berlin und Stockholm, was der Funk Unit Sänger Magnum Coltrane Price mit seinem Text verdeutlicht. In Volkman´s Van zeigt vor allem André Seidel am Schlagzeug, wie der Funk akzentuiert werden muss. Und bei Ricky The Lobster, dass von einem Slap Bass vorwärts gepeitscht wird, erleben wir noch einmal in aller Intensität das Sphärische jenes Genres, das tief aus dem amerikanischen Süden kommt.

For those about to Funk ist ein sehr dynamisches und frisches Album, das in keiner Weise Zweifel aufkommen lässt, ob im Hohen Norden der richtige Ort ist, um Südstaatengefühle aufkommen zu lassen. Mo´ Blow ist eine Band, die noch von sich reden machen wird.