Céline Bonacina Trio. Way of Life
Da kommt einiges zusammen, bei der jungen und zunehmend erfolgreichen Baritonsaxophonistin Celine Bonacina. Sie wuchs in einer Familie auf, in der beide Elternteile eine Affinität zum Big Band Jazz hatten. Folglich spielte auch sie bereits als junges Mädchen in einer solchen Formation. Dennoch ist es ungewöhnlich, dass eine Frau sich für das Baritonsaxophon entscheidet, was Celine Bonacina früh tat. Eigentlich ist es vom Gewicht zu schwer und von der Länge zu groß. Aber sie hatte Mut sowie Selbstvertrauen genug. Und dann, als sie sich begann in ihrem Heimatland Frankreich zu etablieren, zog es sie auf die Insel Reunion im Indischen Ozean, wo sie sich sieben Jahre als Saxophonlehrerin über Wasser hielt. Und als sie dann nach Paris zurückkehrte, brachte sie vieles mit, was den europäischen Jazz bereichern kann.
Bereits im Jahre 2008 traf Celine Bonacina auf den französisch-vietnamesischen Ausnahmegitarristen Nguyen Le, mit dem sie immer mal wieder zusammenspielte und den sie auch bat, auf einigen Stücken der neuen CD ihres Trios mitzuwirken. Heraus kam Way of Live, das viele Aspekte aufweist, die von Interesse sind.
Die insgesamt dreizehn Stücke sind eine Reise durch verschiedene Genres, vom Blues bis zum orchestralen Jazz, von der Folklore zur Mehrdimensionalität der Weltmusik. Bei den Biographien der Akteure kein Wunder. Celine Bonacina, das sei unbedingt erwähnt, ist eine meisterhafte Herrscherin über das sperrige Bariton, sie entlockt ihm Töne, die – natürlich – an Gerry Mulligan erinnern. Ihre Technik ist brillant, ihre Intonation wird getragen aus einer Mischung von Melancholie und Feuer und ihre Tempi erreichen Dimensionen, die Herzrasen verursachen.
Das Album beginnt mit dem Zig Zag Blues und dabei ist der Name Programm. Da wird in einer Souveränität das klassische Schema geschändet, das es eine Freude macht. Bei Ra Bentr´ol führt sie einen Dialog mit Nguyen Le, der an die kosmischen Visionen eines Hendrix erinnert, Wake Up ist eine Referenz an das Perkussive des Baritons, das aber auf einem artifiziellen Niveau, das bis heute noch nicht gehört wurde. Free Woman wiederum ist romanisch-narrativ, mit einer Prise von Schwermut, die nur das Bariton vermitteln kann. In Deep Red wird sie zur Low Tone Queen, mit einer rhythmischen Emphase, die einfach nur Spaß macht und man verwundert ist, zu was das tiefe A alles fähig ist. Und in Jungle zeigt sie allen, die schon versucht haben, sie in eine Ecke zu drängen, was eine Harke ist. Auf wechselnden Rhythmen intoniert sie, kongenial mit Nguyen Le Hard Bop Strukturen, angefangen vom Funk bis zum Rock. Und bevor man sich beruhigt hat und versucht, die Botschaften der vielen Aspekt zu dechiffrieren, beschließt Celine Bonacina das Album mit Toty Come Bach, auf dem sie in Orkangeschwindigkeit der Hörerschaft ein Bach´sches Riff um die Ohren haut.
Way of Live ist ein grandioses Werk, das durch Virtuosität und Ideenreichtum besticht, ohne die emotionalen Sphäre zu übertönen.
