Die systemisch ausgerichtete Kommunikationswissenschaft bedient sich bewusst einer Metapher, die die Vorstellung illustriert, man müsse in eine triviale Maschine nur den Stoff X eingeben, um nach der Verarbeitung der Maschine als Resultat das Produkt Y zu erhalten. Rein mechanisch oder elektronisch und technokratisch gedacht, ist das bei den meisten Maschinen auch tatsächlich der Fall. Irreführend wird dieses Modell, wenn es von der Beschreibung eines technischen Prozesses weggeht und sich zu einem Kollektivsymbol entwickelt, dessen Gültigkeit auch auf Menschen und ihre Kommunikation reklamiert wird.
Wir alle kennen die Situation: Man hat einer Person etwas mitgeteilt in der Erwartung einer ganz bestimmten Reaktion. Das Ergebnis ist aber anders, die adressierte Person reagiert nicht wie erwartet und wir sind bestürzt. Wie konnte das kommen, fragen wir dann, ich habe doch ausdrücklich dieses und jenes gesagt? Das konnte, beziehungsweise, das musste so kommen, weil wir es bei Menschen nicht mit trivialen Maschinen zu tun haben, die ausschließlich den Stoff X in das Produkt Y verwandeln. Die informationelle Essenz wird im Innern des Individuums noch vermischt mit Substanzen wie Denkweise, Emotion, sozialer Beziehung, Historisierung und Eigeninteresse. Alles das wird jedoch ausgeblendet bei der Annahme, man hätte es bei Menschen mit trivialen Maschinen zu tun.
Betrachtet man den Verlauf der Kommunikationen, die als gescheitert oder zumindest schwierig gelten, so ist neben dem immer häufiger auftretenden Phänomen einer ausbleibenden gemeinsamen Intentionalität, welches als Ergebnis der Individualisierung und des wachsenden Hedonismus zu sehen ist, zu verbuchen, dass die Annahme eines trivialen Prozesses zu der wachsenden Verstörung geführt hat. Im Grunde genommen neigen immer mehr Zeitgenossen dazu, den vor ihnen liegenden Kommunikationsprozess in ihrer gedanklichen Vorbereitung zu ent-humanisieren, d.h. die kommunikative Vor-Konstruktion bezieht sich auf die Annahme der Teilnehmer als trivialer Maschinen. Die Resultate sind oft bitter, weil die Individuen ihre nicht-triviale humane Wirkungs- und Verarbeitungsweise beibehalten, ungeachtet des Konsenses, die Welt funktioniere wie der Verkehr zwischen trivialen Maschinen.
Wahrscheinlich gehört es zu den großen ideologischen Fehlannahmen unserer Zeit, dass wir die Adaption des Maschinenmodells auf das menschliche Denken und Verhalten nicht beenden, sondern immer wieder bemühen. Das ständige Lamento über die nicht funktionierende Kommunikation ist eine Signatur für die nicht mehr vorhandene Lernfähigkeit. Die Analyse eines gescheiterten Prozesses wird ersetzt durch kollektive Verdrängung, um sich vor der Erkenntnis zu bewahren, dass die Individualisierung unserer Gesellschaft und ihre post-heroische Ideologie nichts Gutes bringen und dass der Mensch komplexer und komplizierter ist als die schicken Tools, die uns in vielerlei Hinsicht bereits beherrschen. Jenseits dieser Erkenntnis lauern dann nämlich auch noch so Ungeheuer wie das Vertrauen, längst nicht so domestizierbar wie die ruppige Kontrolle.
