Von den Zielen her denken

Immer öfter und zu Recht wird darauf hingewiesen, dass die systemische Herangehensweise, von den Zielen her zu denken, vieles an Irrtümern und Redundanzen ersparen kann. Um ein ganz konkretes Beispiel zu nehmen, könnte eine solche Frage folgendermaßen aussehen: Wir schreiben das Jahr 2020 und blicken auf die Entwicklung seit heute, 2012, zurück. Griechenland hat sich seit seiner schweren Finanz- und Liquiditätskrise in den Jahren 2010-2013 sehr positiv entwickelt. Heute ist das Land nicht nur liquide, sondern es hat an wirtschaftlicher Autonomie beträchtlich gewonnen. Das Bruttosozialprodukt ist gestiegen, die Arbeitslosigkeit gesunken, in- wie ausländische Investoren sind in beträchtlichem Maße aktiv und die meisten der klugen Köpfe des eigenen Landes wandern nicht mehr aus. Was, so die alles entscheidende Frage, ist geschehen, damit diese Entwicklung möglich wurde?

Da fallen einem sofort eine Menge Antworten ein, die alle etwas mit positiver Gestaltung zu tun haben. Zum ersten müssen die Schulden weg, und zwar so schnell wie möglich. Dann, im Hinblick auf eine eigene Wirtschaftsentwicklung und eines qualitativ hoch stehenden Arbeitsmarktes, müssen die Menschen über eine gute Bildung und Berufsausbildung verfügen. Die Infrastruktur wiederum muss es ermöglichen, nicht nur relativ schnell und geräuschlos von A nach B zu kommen, sondern auch unter ökologischen Gesichtspunkten wenig belastend sein. zur Infrastruktur gehören heute genauso die Kommunikationsnetze.

Des Weiteren muss das Bankenwesen konsolidiert sein, d.h. die Anzahl der Banken muss sich an den mit tatsächlichen Werten hinterlegten Geldströmen bemessen, und nicht an hochgerechneten spekulativen Gewinnmöglichkeiten. Im Falle Griechenlands heißt das eine brachiale, radikale Sanierung des Finanzsektors. Und es wird erforderlich sein, eine ziemlich marode, auf Status und Gehabe basierende Bürokratie in eine effiziente Organisation zu verwandeln, die die Gesetzmäßigkeit politischen Handelns absichert und gleichzeitig der Bürgerschaft ein Leben und Wirtschaften ohne große Ärgernisse ermöglicht sowie die Steuerdisziplin sicherstellt. Eine derartige Agenda und die daraus resultierenden Ergebnisse würden sehr positive Resultate für alle haben, die mit Griechenland assoziiert sind. Es würde Investitionen von außen verlangen und eine Konsum- und Kaufkraft hervorbringen, von der auch die heutigen Gläubiger profitierten.

Und obwohl das alles sehr logisch erscheint, wenn man vom Ziel her denkt, bestimmen diejenigen, die in einer rückwärts gewandten Kausalität denken, dass Griechenland die Kralle an den Hals gesetzt wird. Ein rigoroses Sparprogramm, dessen Resultate in keiner Weise die eingefahrenen Verluste wird kompensieren können, soll Griechenland wieder auf die Beine bringen. Wie das gehen soll, versteht selbst die Weltbank nicht mehr, die in der Vergangenheit immer wieder – ohne Erfolg, vor allem im Falle so genannter Schwellenländer – auf diese Karte gesetzt hat. Wer hingegen vom Beginn des Debakels, nämlich einem völlig überdrehten Investitionsdruck bis hin zu einem leichten Leben auf Pump denkt, dem fällt als Affaire Drakonie wahrscheinlich nichts mehr ein als der ökonomische Morgenstern.