Three Fall celebrating Red Hot Chili Peppers. On a Walkabout
Es gibt sie noch nicht lange, genau gesagt seit dem Jahr 2008, sie sind jung und vor kurzem, als sie in Mannheim Gelegenheit hatten, vor Shorty Trombone auf der Bühne zu stehen, brachten sie die Feuerwache mit tausend Gästen zum Kochen. Three Fall, die Band, die niemand Trio nennen würde, obwohl sie dem Jazz zugerechnet werden, das sind Lutz Streun an Tenorsaxophon und Bassklarinette, Till Schneider an der Posaune und Sebastian Winne am Schlagzeug. Und obwohl die Band als ein Hoffnungsschimmer am deutschen Jazzhimmel gehandelt wird, fällt es schwer, sie und ihre Musik so zu klassifizieren, dass die Zuordnung ohne Zweifel wäre.
Das Album Celebrating Red Hot Chili Peppers. On a Walkabout kann vielleicht helfen, die Arrangements und Botschaften von Three Fall zu entschlüsseln. Mit insgesamt fünf Stücken von den Red Hot Chili Peppers, deren Musik die Band nach eigenen Aussagen in den neunziger Jahren beeinflusste, vor allem durch das West-Coast-Feeling und dem den Stücken anhaftenden Dreck, und insgesamt sieben eigenen Stücken, mit Titeln wie Fiets, Montag oder Ottostraße, hat die Band einen satten avantgardistischen Aufschlag gemacht. Die instrumentale Zusammensetzung selbst macht dabei bereits deutlich, dass das ganze Projekt jenseits des Mainstreams stattfindet.
Balladen der Red Hot Chili Peppers wie Can´t Stop, Under The Bridge oder Scar Tissue kommen so daher, wie die Band den Einfluss dieser Formation beschrieben hat, mit West-Coast-Melancholie und dem urbanen Dreck an den Füßen, wobei vor allem die Exkurse der Posaune drauf verweisen, dass das schlechte Leben durchaus mehr Dynamik zustande zu bringen in der Lage ist als die beschauliche Melancholie. Bei den Rocknummern Walkabout und By The Way hingegen zeigt die Band, dort vor allem der Saxophonist Lutz Streun, dass er mit seinem Instrument einer satten elektrischen Gitarre nicht nachsteht und, ganz im Gegenteil, rein klanglich von der ermüdenden Stereotypie eines Rockensembles sehr erfrischend abhebt.
Die eigenen Kompositionen sind weniger eingänglich, dafür aber innovativer. Ottostraße zum Beispiel hört sich mit der Bassklarinette an wie eine dahin geworfene Neukonzeption eines Eisler-Arrangements, Skycrapers wiederum verstört, weil die Melodie aufgebaut ist wie ein gregorianischer Gesang, unterlegt mit einem Hip-Hop-Rhythmus und gespielt mit einer orientalischen Fünf-Ton-Leiter. Und Montag wiederum hört sich zunächst an wie ein Autounfall an der nächsten Straßenecke, bevor in Funk-Manier eine deutlich prononcierte Geschichte erzählt wird.
Three Fall ist mit ihrem Album tatsächlich ein großer Wurf der avantgardistischen Art gelungen. Mit großem Ideenreichtum und beeindruckender Dynamik sind präzise Skizzen für ein Portfolio musikalischer Innovation in den Raum geworfen worden, die es Wert sind, sich sehr konzentriert damit auseinanderzusetzen. Das Schöne dabei ist, dass man sich als Zuhörer nicht disziplinieren muss, es ist alles einfach auch kurzweilig, ja spannend und wunderbar anzuhören.
