Die Diskussion um die Glaubwürdigkeit des derzeitigen Präsidenten der Republik folgt einem bestimmten, durchaus bekannten Verlaufsmuster. Jener Mann, der über den Weg knallharter Machtkämpfe hinter und vor den Kulissen ins Amt gepresst wurde, verdankte diesen Erfolg nicht zuletzt gerade den Blättern, die ihn nun aufgrund moralischer Verfehlungen niederschreiben. Er spielte das Spiel mit, verlor aber irgendwann den Blick dafür, dass er auf Geheiß fremder Mächte das war, was er wurde. Stattdessen stieg ihm die vermeintliche eigene Macht zu Kopfe und er glaubte, mit ihr im Rücken die wahren Mächte maßregeln zu können. Das ging schief.
Die Öffentlichkeit, die schon lange nicht mehr das Attribut kritisch für sich beanspruchen kann, ist ein allzu williger Akteur in der Inszenierung der Mächtigen. Sie beteiligt sich am Spiel der öffentlichen Hinrichtung mit geiferndem Maul. Das, wenn auch symbolische, Schlachten, gefällt einem Volk erstaunlich gut, dessen eigene Verunsicherung und Angst sprichwörtlich geworden ist. Da entdeckt man ihn wieder, den legendären kleinen Mann, der immer litt, doch nie gewann und sich gewöhnt an den letzten Dreck, kriegt er nur seinen Schweinespeck, und träumt im Bett vom Attentat, den Biermann so satt hatte. Das Spiel um die Vernichtung von Individuen ist genauso degoutant wie die Verfehlungen der Individuen selbst, um die es geht.
Ist das Spiel der Mächtigen eine alte und vertraute Weise, so ist der Applaus aus dem Volk zwar auch nicht unbekannt, aber auf dem Boden einer sich aus dogmatischem Gedankengut entwickelten Moral eine besondere Größe. Die Bundesrepublik Deutschland an der Schwelle zum Jahr 2012 steht zwar in einem Sturm der globalen Modernisierung, verkörpert jedoch mit den herrschenden Moralvorstellungen die Epoche des Biedermeiers. Das Wesen dieser Moral ist eine tote, vom wahren Leben und Geist befreite, die nur in ihrem Diktum, nicht im wahren Leben gedeiht. Die angeblich liberale Republik hat das Individuum längst entmündigt und der politische Diskurs erstreckt sich exklusiv nur noch auf die Maßnahmen dieser Entmündigung. Und die Kreativität der politischen Klasse scheint darin zu bestehen, mit welchen neuen Regelungen und Maßregelungen die freien Entscheidungen des Individuums weiter eingeschränkt werden können.
Unterschwellig widerstrebt die auf einer moralin-sauren Doktrin basierende Politik den Menschen schon lange. Vielleicht ist es daher eine Erklärung, dass sie so schadenfroh die Hinrichtung von Politikern mit betreibt, um ihnen zu zeigen, wie es ist, wenn man moralistisch gemobbt wird. Und die Charaktere derer, die in diesem System sozialisiert werden, können gar nicht anders sein, als wir sie beim gegenwärtigen Präsidenten beobachten. Auf der einen Seite die Propagandisten einer erstarrten Moral und auf der anderen knallharte Agenten der Macht. Das ist eine Doppelrolle, die keiner glaubwürdig spielen kann, die aber dem System entspricht, das herrscht.
Wer sich diesen Präsidenten von den ersten Tagen seiner Amtsführung an unvoreingenommen angesehen hat, konnte früh ahnen, dass da etwas nicht lange gut gehen konnte. Es passt einfach nicht zusammen, mit dem Gestus eines devoten Ministranten eine Militärparade abzunehmen, allein dieses Bild entspricht nicht der Geschichte, wie er dahin kam, um solchen Ritualen der Macht beizuwohnen. Das Ministrantenhafte hat ihn scheitern lassen, es passt nicht zu einem säkulären Amt. Genauso wenig wie die Moral des Biedermeiers. Und genau darin liegt das Problem.

Wie wir doch schon mal vor ganz vielen Jahren gemeinsam feststellten, wer soll in diesem Staat überhaupt noch irgendetwas für voll nehmen ?? Sind wir wirklich ein Volk, dass so einen Präsidenten verdient ? Einnert so an die berühmte Sangesszene mit der großen Marylin Monroe – Happy Birthday Mr.President !!!