Wie einst auf dem Chitlin‘ Circuit

Tommy Castro presents The Legendary Rhythm & Blues Revue

Der nach dem Soulfood benannte Chitlin´Ciruit war eine Route von Clubs im Süden der USA, die es während der Rassentrennung den schwarzen Musikern erlaubte, ohne Schikanen aufzutreten und vor den eigenen Leuten zu spielen. Das waren Ochsentouren, die aus unzähligen Gigs bestanden, jeden Abend auf einer anderen Bühne und wenig Schlaf in verwanzten Hotels oder klappernden Bussen. Jimi Hendrix lernte auf diesen Touren als Rhythmusgitarrist bei Solomon Burke und James Brown holte sich dort den Rückenwind für seine Funkrevolution.

Der in Kalifornien geborene Tommy Castro, der das große Glück hat, in einer Gesellschaft aufgewachsen zu sein, die zumindest die offizielle Rassentrennung hinter sich gelassen hat und in der es für Musiker normal ist, in Ethnien keine Grenzen, sondern eine Bereicherung zu sehen, steht insofern in der Tradition des Chitlin´Curcuit, als dass er zu den wohl härtest tourenden Musikern seines Genres gehört. Ca. 150 Auftritte pro Jahr und zumeist mit einem Konzept, das den alten Roadshows gleicht. Zumeist reist Tommy Castro mit anderen Vertretern und Bands des Blues Labels Alligator Records durchs Land und beschert dem Publikum eine bunte Show.

Auf dem Live Album Tommy Castro presents The Legendary Rhythm & Blues Revue kommt man in den Genuss eines solchen Auftritts, der das Spektrum des sehr auf die Pflege des Blues bedachte Alligator Label sehr gut abdeckt. Neben Tommy Castro, der in bekannter und explosiver Form Wake Up Call, Gotta Serve Somebody, Painkiller und Serves Me Right To Suffer präsentiert, findet sich Michael Burks mit einem klassischen Blues namens Voodoo Spell, der legendäre Joe Louis Walker mit It´s A Shame in der mit Bläsern untermalten Tradition des Rhythm & Blues und einer atemberaubenden Sista Monica Parker mit dem Song Never Say Never, mit dem sie unterstreicht, dass sie schon lange zu den großen Frauen des Blues gehört, ohne sich in der Vermarktungsmühle zum Serienprodukt verramscht zu haben.

Rick Estrin, Fog, Janiva Magness, Theodis Ealey und Debbie Davies sind die anderen, die bei dieser Revue noch ihre Pfunde in die Waagschale werfen und alle einen Beitrag zu schillernden Facetten beitragen, die das Gesamtbild einer grandiosen Bluesnacht ausmachen, wobei Theodis Ealeys mit This Time I Know die große Referenz an den Süden und die Wurzeln des Soul gibt und Debbie Davies allen Männern das Herz in Stücke reißt.

Das Konzept, nicht nur mit einem Interpreten, sondern einem ganzen Ensemble unterschiedlicher Künstler auf Tour zu gehen, ist eine großartige Idee, von der vor allem das Publikum profitiert. Momentan stehen sowohl in den USA als auch in Europa die die Zeichen auf einen Sinneswandel in der Showperformance und man schlägt diese Richtung ein, die dazu beitragen kann, dass wieder große Feste anlässlich der Konzerte gefeiert werden. The Legendary Rhythm & Blues Revue Tommy Castros vermittelt einen Eindruck, was passieren kann, wenn ein Konzert zu einer turbulenten Party wird.