Mit dem verächtlichen Terminus PIIGS-Staaten kam es zum ersten Mal zum Ausdruck: In bestimmten Sphären der Finanzwelt bewegen sich Akteure, von denen nichts Gutes kommt. Mit Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien, den Ökonomien, die an dem hoch riskanten Spiel der Überbewertung teilgenommen haben und die von den Börsianern dann mit einem Schweine-Akronym versehen wurden, wurde offenbar, was sich die nicht sonderlich ökonomisch versierten Väter des Euro, Kohl und Mitterand, niemals hatten vorstellen wollen und können. Eine Währung orientiert sich nicht an dem politischen Willen derer, die sie erfinden, sondern an den Gegebenheiten der Ökonomien, für die sie gilt.
Dass der Versuch Frankreichs, ein wieder erstarktes und wirtschaftlich stärkeres Deutschland denn je in einem größer angelegten europäischen Konsortium zu bändigen, ins Gegenteil umschlug, ist eine pikante Note im Logbuch der negativen Dialektik. Denn keine Ökonomie profitierte von dem Euro so sehr wie die deutsche. Die Exporte gingen immer mehr in die Höhe und Länder, deren Produktivität und Kaufkraft im Vergleich zum teutonischen Koloss eher bescheiden waren, fanden Kredite für ihre Konsumwünsche, wiederum gewährt von Instituten aus dem Land, das an dem großen Exportfluss interessiert war.
Das Neue innerhalb der deutschen Staatsführung ist so etwas wie eine Vergesellschaftung der Gläubigerhaftung. Mit Bravour haben in den jüngsten Finanzkrisen Systeme gegriffen, die eine Konversion alter planwirtschaftlicher Rechnungsmodi und frühkapitalistischer Wachstumsraten bewirkten. Die Liquidität der konsumierenden Länder wurde gewährleistet durch Kredite aus den exportierenden Ländern, die wiederum abgesichert wurden durch Staatshaftungen. Letztendlich haben die Steuerzahler der exportierenden Länder die Absicherung für Pleiten getragen, wie wir sie momentan erleben.
Das, was nun zuerst Griechenland und momentan Italien befürchten lassen, wovor aber auch Spanien, Portugal und Irland nicht gefeit sind, kann der Beginn einer fatalen Wirtschafts- und Währungskrise werden, in der Millionen Menschen ins Elend gestürzt werden. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis ist bei der Geschäftsführung der Bundesrepublik aber keineswegs ein Kassensturz, bei dem die Aktiva und Passiva einander gegenüber gestellt werden, sondern das fatale Festhalten an einem Modell, das die Gesetze einer global vernetzten Wirtschaft auf keinen Fall überleben wird. Das Gegensteuern gegen die tatsächliche Wertigkeit von Produktivkräften und Märkten ist eine staatsmonopolistische Illusion, die aus den Denkschemata der alten Planwirtschaft entstammt.
Kein finanzpolitisches Manöver wird in der Lage sein, die tatsächliche Wertschöpfungskompetenz einer Volkswirtschaft außer Kraft zu setzen. Sollte man versuchen, an derartigen Strategien festzuhalten, wird das Ganze zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Wie viele Manöver noch gemacht werden können, hängt zudem davon ab, wie viele Wellen der Enteignung von Volksvermögen die Bevölkerungen der wirtschaftlich potenten Länder bereit sind zu erdulden.

Die Haftung war ja eigentlich so nicht vorgesehen, d.h. man hatte nicht einkalkuliert, dass die unterschiedlichen beteiligten Volkswirtschaften völlig verschiedene Auffassungen über das Wirtschaften haben, so dass interessanterweise kein Wettbewerb in Produktivität freigesetzt wurde – wir wurden um den Preis einer schleichenden Verarmung wettbewerbsfähiger,aber die Lohnkostenzurückhaltung alleine reichte zur Sicherung der Vollbeschäftigung in einer unserer Schlüsselindustrien, der Autoherstellung nicht – so wurde der in den sogenannten „Südstaaten“ hohe Haus-und Grundbesitz hoch beleihungsfähig, auch ohne entsprechende Familieneinkommen und Konsum angeheizt, der bei uns künstlich Arbeitsplätze aufrecht erhielt. Insofern kann man wohl wirklich von Planwirtschaft sprechen.
Parallel dazu haben es aber nun einige Volkswirtschaften verstanden, eine Art Transferunion zu bekommen, bei der anscheinend ungebremst Teile unseres Volksvermögens umgeschichtet wurden in sehr wohlhabende Schichten der Südländer
Und als dritte Komponente kam hinzu, dass natürlich der internationale Finanzmarkt letztlich darauf vertraute, dass man vor allem die stärkeren Volkswirtschaften würde zur Rechenschaft ziehen können, wenn die Südstaaten überschuldet wären. Ich habe zahlreiche Infrastruktur-Projekte gesehen, vor denen das EU-Schild mit den Transfersummen stand, die aber nie begonnen oder zuende gebaut worden waren und da, wo man z.B.einen fertigen Yachthafen zur Förderung des Touristmus hatte, wurde er mit sogenannten Fischer-Booten besetzt, damit man wieder Geld für einen nächsten Hafen bekam, nach dem Motto, sorry, dieser kann dem Tourismus nun doch noch nicht dienen, unsere Fischer gehen vor, also Geld für den nächsten Hafen,bitte. Wie unsere Regierung hier nicht von Beginn der Euro-Union an Übereachungsmechanismen einbauen konnte, bleibt mir ein ewiges Rätsel. Wollten Kohl & Co das wir verarmen, bzw.unsere Produktiviät sozusagen dann als Geschenke für die schon wohlhabenden Familien der Südländer verschenken ? Ein Grieche sagte mir mal “ das ist jetzt die Wiedergutmachung“ die uns Deutschland nach dem Krieg nicht gezahlt hat, “ vielleicht schwebte das Kohl so vor ?