Elektrobop aus der Prairie

Cornell Dupree. Bop ´N´ Blues

Der Gitarrist Cornell Dupree galt als einer der versiertesten R&B-Virtuosen seiner Zeit. Bemerkenswert war seine Nonchalance, mit der er sich auf Experimente einließ. Letztere resultierte zum einen aus der sehr profanen Notwendigkeit, zu überleben, zum anderen aus der Überzeugung, dass es am Künstler selbst liegt, ob er in der Lage ist, aus etwas Alltäglichem die Besonderheit zu kitzeln. Cornell Dupree, der in diesem Jahr 69-jährig starb, hat neben seinen typischen R&B-Engagements nichts ausgelassen. 2500 Jam Sessions sagt man ihm nach, und die Liste derer, mit denen er unterwegs war reicht von Miles Davis bis zu absoluten Underdogs. Er hielt locker das Niveau der großen Bebop-Solisten und war sich nicht zu fein, einer Megäre wie Saturday Night Fever einen Funk-Drive zu verpassen.

Jenseits der schönen und wirklich bemerkenswerten R&B-Aufnahmen steht allerdings als Unikat das Album Bop´N´Blues, welches 1995 erschien und auf dem der bis dahin bei der Jazzpolizei als kommerziell verschriene Gitarrist einen Meilenstein beschrieben hat, dem selbst so etablierte Gitarristen wie Pat Metheny und John Scofield gerecht werden müssen. Mit der Schnoddrigkeit des Texaners wählte sich Dupree die Hymnen des Bebop aus und interpretierte sie mit einem Ensemble von ebenso im R&B verwurzelten Musikern, die mit der gleichen Chuzpe ans Werk gingen wie der Protagonist.

Das Intro lieferte er mit Freedom Jazz Dance, damit gleich kein falscher Eindruck darüber entstand, ob die R&B-Mischpoke dazu in der Lage war, die schnellen und nicht immer chromatischen Läufe in dem gesetzten Tempo zu präsentieren. Bereits dort zeigt Cornell das Prototypische seiner Gitarre: Sie liegt im Lauf, entfernt sich daraus durch Beschleunigung oder Verlangsamung, klingt in ihrer Virtualisierung immer etwas melancholisch und umgarnt das Melodiöse, um punktgenau wieder am Ort zu erscheinen, wenn die Freiheit zurück zur Ordnung kehrt. Alle Stücke, die folgen, sind brillant arrangiert und interpretiert: Bags´Groove, Gillespies grandioses Manteca, Monks schwere Round Midnight, Charlie Parkers keckes Now´s The Time und My Little Suede Shows. Neben der Fähigkeit und der überzeugenden Intuition, mit der Dupree und seine Band diese Bebop-Klassiker einspielen, ist damit noch etwas anderes gelungen. Dem R&B-Gitarristen Cornell Dupree gelingt es, die ungeheure Varianz des Bebop zu inszenieren und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Aus der Vielfalt des Bebop dringen Genres ans Ohr, die heute als Funk und Rock als autonome Richtungen betrachtet werden, denen keinerlei Verbindung zu dem Jazz-Groove der Ostküste der fünfziger Jahre nachgesagt werden.

Gerade mit der Verfremdung des vermeintlich Schwierigen zu etwas leicht Spielbarem, das überall im Mainstream vorkommt, hat der Texaner Cornell Dupree etwas zustande gebracht, was normalerweise als hoffnungsloses Unterfangen gilt und nur in ganz seltenen Fällen gelingt: Er spielt Bebop für einfache Seelen, ohne die komplexe Botschaft zu unterschlagen.