In einem Werbefilm des Autobauers BMW wird die Vision eines Werkstattarbeitsplatzes der Zukunft beschrieben. Wie in einem wissenschaftlichen Labor steht ein Mensch, den man vor gar nicht allzu langer Zeit noch Automechaniker genannt hätte. Man kann beobachten, wie ein defektes Fahrzeug angeliefert wird und der gute Mann die Motorhaube öffnet. Von der Diagnose erfährt man leider nichts, sondern der Prozess beginnt sogleich mit der Reparatur. Dazu benötigt nun der Techniker der Zukunft eine multifunktionale Brille, die er sich aufsetzt und die ihn vermittels akustischer Instruktionen und sequenzieller Schaubilder Schritt für Schritt anweist, was zu machen ist. In einem klinisch reinen Prozess befolgt der Mann die Befehle und nach relativ kurzer Zeit sind die defekten Module ausgetauscht und neue eingesetzt. Zum Schluss nimmt ein glücklicher Mensch die Brille vom Kopf und hat seine Arbeit beendet.
Während Sigmund Freud den Menschen der Moderne als einen Prothesengott beschrieb, der seine natürlichen Anlagen mit Instrumenten verlängere und verstärke, um die Welt nach seinen Vorstellungen zu gestalten, sah Karl Marx bereits gewisse Tendenzen in der fremdbestimmten Arbeit, die nicht mehr aus der Regie des handelnden Subjektes heraus vonstatten ging, sondern aus einem Entmündigungsverhältnis, das vertraglich geregelt ist und indem es ausschließlich um die Bereitstellung der Arbeit in Form von Zeit, aber nicht um deren inhaltliche Form der Verwirklichung geht.
Das Phänomen, um das es immer bei fremdbestimmter, zunehmend industriell geprägter und tayloristisch organisierter Arbeit ging, war die so genannte Entfremdung. Damit ist die sich verstetigende Irritation des Individuums gemeint, eine dauerhafte den Sinnstrukturen des eigenen Subjektes fremde Tätigkeit auszuführen, die das Gros der individuellen Energien beansprucht.
Seit der Gründung von Gewerkschaften war immer neben den ökonomischen Zielen der Organisation genauso prominent der Kampf gegen die entfremdete Arbeit ein Thema. Mit der zunehmenden Reduzierung industrieller Arbeit und der Digitalisierung der produktiven Prozesse wurde immer wieder von so genannten intelligenten Arbeitsplätzen gesprochen, die dem Subjekt, auch in der fremd bestimmten Arbeit, eine Autonomie in dem Prozess verleiht, die das Phänomen der Entfremdung zu einer historischen Erscheinung mache.
Sieht man sich als Beispiel die Werkstattvision aus dem Hause BMW an, dann ist sowohl der Prothesengott, den Freud ja in hohem Maße kritisch sah, und auch der entfremdete Industriearbeiter, wie Marx ihn vor Augen hatte, ein Ausbund an Autonomie und Selbstbestimmung. Die dort beschriebene und angestrebte Form der Arbeit macht das Subjekt zum Instrument des eigentlichen Instruments. der Roboter weist das humane Subjekt an, was zu tun ist und macht es somit zu einem Objekt der Maschine.
Historisch schließt sich somit die Digitalisierung der menschlichen Arbeit den verschiedenen Wellen der Revolutionierung von Arbeit an. In der ersten Phase wird die technische Innovation bestaunt, in der zweiten wird sie mit allen Attributen propagiert, die man bei der Vorgängerin so schmerzlich vermisst hat und in der dritten Phase wird deutlich, dass die Innovation das Grauen nur potenziert, wenn man die Diskussion über die Verfügungsgewalt über die Arbeit tabuisiert.
