Die Geschichte ist voll davon und sie sind Ursache für die Unerklärlichkeit der Welt. Vieles, was die historischen Subjekte zu erreichen suchen, wird von ihnen in das Gegenteil verkehrt und jeweils andere Akteure, die genau das Gegenteil wollten, setzen die Ziele in der Realität um, die sie eigentlich bekämpfen wollten. Oder die grandiosen Irrtümer öffneten Türen zu völlig neuen Kontinenten. Der Genuese Christoph Columbus glaubte allen Ernstes, Indien erreicht zu haben, als er seinen Fuß auf die erste, dem amerikanischen Kontinent vor gelagerte Insel der Karibik setzte. Und der Portugiese Magellan hatte den Rio de la Plata für eine Meerenge gehalten und die nach ihm benannte Straße, die die Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik herstellt, ursprünglich für einen Fluss. Wie die Irrtümer zu großen, revolutionären Erkenntnissen führten, so verblüffend sind die dialektischen Wendungen.
So kann man aus heutiger Sicht durchaus die These vertreten, dass Politiker wie Schmidt und Kohl mit ihrem Bekenntnis zum NATO-Doppelbeschluss in den achtziger Jahren dazu beigetragen haben, die strategische Überdehnung der Sowjetunion mit auf die Spitze getrieben und somit ihre Implosion mit bewirkt zu haben. Vorher hatte Willy Brandts Neue Ostpolitik, die von einem tiefen Pazifismus geprägt war, von ihrer Wirkung her eher das Gegenteil zur Folge.
In den USA der neunziger Jahre war es ein Präsident Clinton, der der amerikanischen Gesellschaft eine demokratischere Perspektive bieten wollte. Vor allem sein von einem humanistisch geprägten Bild der Integration geprägtes Agieren führte jedoch dazu, dass sich die Anti-Diskriminierung formalisierte und dogmatisierte und von der Bevölkerung letztendlich als Gängelung und Bevormundung empfunden wurde. Die Reaktion auf diese Politik waren acht Jahre George W. Bush, Synonym für Krieg, staatlichen Interventionismus und eine ideologische Polarisierung.
Nach sechzehn Jahren Kanzlerschaft von Helmut Kohl, die stand für Reformunwilligkeit und militärische Bündnistreue, übernahmen 1998 Sozialdemokraten und Grüne die Regierungsverantwortung. Letztere galten bis dahin als die Verkörperung der Friedensbewegung in Reinkultur. Ausgerechnet der erste grüne Außenminister Fischer war es, der, gestützt auf eine Kampagne durchtriebener Kriegspropaganda, die ersten deutschen Soldaten nach 1945 in aktive, nicht auf die Verteidigung bezogene Kampfhandlungen zu trieb. Und nun, im Jahre 2011, beschließen ausgerechnet Christdemokraten das radikalste Ausstiegsszenario aus der Kernenergie der Geschichte.
So stehen anhand der wenigen genannten Beispiele Demokraten und Pazifisten für Gängelung und Krieg und auf der anderen Seite Hardliner und Ordnungspolitiker für Liberalisierung und Vernunft. Es ist der zynische Aspekt von Geschichte, mehr wohl nicht, denn das Eine ist nie ohne das Andere denkbar, die Erkenntnis nicht ohne den Irrtum, der Dirigismus nicht ohne die Liberalität und die Irrationalität nicht ohne die Vernunft. Und es darf nicht davon abhalten, das Richtige tun zu wollen.

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