Vertauschte Rollen

Die Inszenierung der Frauenfußballweltmeisterschaft verspricht nicht viel Gutes. Es hat das mit der Tatsache Fußball spielender Frauen wenig, mit der Hegemonie gesellschaftlicher Vorstellungen über die Geschlechterrolle sehr viel zu tun. Nach Jahrzehnten der maskulinen Vorherrschaft in der Gesellschaft und den von Männern bestimmten Rollenklischees haben sich vor allem im letzten Jahrzehnt durch die Präsenz der Emanzipationsvertreterinnen der ersten Stunde in Politik und Medien die Zeichen geändert. Nicht der etwas prollig daherkommende Chauvi bestimmt, was im Trend liegt, sondern die Welt neu erklärende Spezialistin für Emanzipation. So primitiv die hemdsärmeligen Prototypen der vergangenen Männerwelt waren, so dogmatisch und intellektuell dürftig ist die momentan erlebbare Gegenbewegung.

Der Fußball kann getrost als die letzte Domäne der heterosexuellen Männer gewertet werden. Nirgendwo sonst werden die archetypisch vorhandenen Instinkte noch so ausgelebt wie dort, auch wenn bereits in den letzten eineinhalb Jahrzehnten eine Entwicklung eingetreten ist, die ohne Vorbehalt als eine Effeminierung dieses Sportes bezeichnet werden muss. Was in den neunziger Jahren als eine von einem Konsens getragene gesunde Härte verstanden wurde, wäre nach heutigen Kriterien bereits ein empfundenes wahres Gemetzel. Aber das ist eher peripher.

Interessant ist der Zugang und Einzug der Frauen in diesen Jägersport, der immer den Männern vorbehalten war. Dass Frauen daran Spaß fanden und finden ist schön, dass sie sich in dieser Domäne mehr und mehr etabliert haben ebenso. Dass sie ein gefährliches Spiel in einer sehr maskulinen Sphäre spielen, sollte ihnen bewusst sein und nun nicht zu der Klage führen, dass es so ist, wie es ist.

Der Fußball ist trotz des Vormarsches der Frauen von einem Denken dominiert, das von den Männern des industriellen Zeitalters geprägt ist. Die Faszination dieses Spieles entstand aus den Möglichkeiten unterschiedlicher Organisationsformen wie persönlicher Qualitäten, wie sie in der Konkurrenz des Wirtschaftslebens, ebenfalls von Männern beherrscht, anzutreffen war. Die Welt des industriell und maskulin geprägten Fußballs ist längst versunken. Der Strukturwandel in der Produktionsweise wie in der Gesellschaft schlägt sich mehr und mehr auch in dieser Sportart nieder, betrachtet man zum Beispiel die spieltaktischen Innovationen vor allem in Spanien.

Das alles ist eine äußerst interessante Entwicklung, die spannend ist und allen Spaß macht, die dieses Spiel fasziniert. Abstoßend und degoutant wird es, wenn, wie im Moment hierzulande häufig anzutreffen, eine Hetzkampagne gegen den heterosexuellen Mann per se daraus wird. Das ist im ursprünglichen Sinne revanchistisch und spricht sehr dafür, dass der Fußball instrumentalisiert werden soll, um die immer unattraktiver werdende Ideologie der Political Correctness mit ihrem dogmatischen Gehalt an den Mann zu bringen. Die Ideologisierung des Fußballs lenkt in hohem Maße ab von den in diesem Spiel wirklich lesbaren gesellschaftlichen Entwicklungen.