Ja, es ist schon eine bizarre Diskussion, die in Deutschland angesichts des gewaltsamen Todes Osama Bin Ladens geführt wird. Da werden Fragen gestellt, die den Rechtsstaat betreffen, da melden sich Friedensbeauftragte der Kirchen zu Wort, die die angesichts Osamas Tod jubelnden Menschen am Ground Zero in New York tadeln. Im TV verkündet der Übervater Helmut Schmidt, er werde dem Toten keine Träne nachweinen, aber rechtsstaatlich sei es wohl nicht in Ordnung, was dort, im fernen Pakistan in einer Villa gelaufen sei.
Die Darstellung der amerikanischen Administration beläuft sich auf die Aussage, dass ein Sonderkommando des amerikanischen Geheimdienstes Osama Bin Laden in einer Villa aufgespürt und gestellt, ihn aufgefordert habe, sich zu ergeben und dieser dann nach dessen Weigerung und Eröffnung eines Feuergefechtes getötet worden sei. Dabei habe er noch versucht, eine Frau als tödlichen Schild zu benutzen.
Die Biographie des Getöteten ist gesäumt von Ereignissen des Terrors, die Anzahl der Opfer, die auf seine intendierte Handlungsweise ins Jenseits befördert wurden, geht in die Tausende, wenn nicht Zigtausende. Die Opfer waren oft willkürlich, in der muslimischen Welt wurde immer beklagt, dass die Anzahl der getöteten Muslime mindestens genauso hoch sei wie die der Ungläubigen. Osama Bin Laden war ein Terrorist, er hat alle demokratischen Grundrechte negiert und sein Handeln verwies auf ein kriminelles Potenzial, wie es selten in einem Jahrhundert vorkommt. Von den politischen Zielen, die er verfolgte, bis hin zu den Koalitionspartnern, mit denen er sich verbündete, handelte es sich um einen Fundamentalisten, der vom Psychogramm bis zur perversen Tat ungeheure Analogien zu den Charakterstrukturen der faschistischen Massenmörder aufwies.
Angesichts dieser Informationen, die auf dem Präsentierteller der Öffentlichkeit liegen, ist es bemerkenswert, die Frage einer begrenzten Legalität einzelner demokratischer Staaten zur kritischen Anzweiflung der Rechtmäßigkeit des US-amerikanischen Handelns aufzuwerfen. Unter diesem Aspekt ließe sich auch das Vorgehen der Alliierten und vor allem dort der Amerikaner noch einmal neu von einer post-heroischen, längst erreichten suizidalen Endzeitstimmung beleuchten. Und schon wären wir endlich dort, wohin wir schon lange wollten: Nämlich den USA das Vergehen zu präsentieren, dessen sie sich gegenüber den Deutschen schuldig gemacht haben. Sie haben Deutschland, ohne es zu fragen, einfach von der faschistischen Pest befreit. Das ging zu weit und dieser Stachel sitzt bis heute tief.
Und hätten die USA im Kampf gegen den Faschismus nicht so gehandelt wie im Falle Bin Ladens, der sich auch subjektiv in einem Kriegszustand gegenüber den USA befand, dann wäre Berlin wohl heute noch die Reichshauptstadt und die Ukraine Deutschlands Kornkammer. Bei allem Verständnis für die Aversion gegen Krieg und Gewalt: Wer sich selbst nicht gegen Gewalt und Terror stemmt, der hat selbst aufgegeben zu sein!
