Archiv für den Monat April 2011

Narrative Excellence, Technical Overload

Frederick Forsyth. The Cobra

Frederick Forsyth has proven more than one time that he is one of the masters of politically thrilling undercover stories. All reported in a precise and breathtaking language, never vague or idle, stories as plausible as daily life and characters taken out of scenes of the real life. The Forsyth books act all on the threshold of real politics and fiction. And they profit from the craftsmanship of an excellent narrator. You never know whether you are already in the land of fantasy or still in the sphere of dirty reality.

After his last novel, The Afghan, where Forsyth focussed on international terrorism, he opens another field of universal threats with the world cocaine trade. And with the destination of an old master he has chosen another topic which is shaking the confidence in international politics. More than the one concerning international terrorism citizens of countries all over the world are asking themselves how it can be that a few members of a cartel in the mountains of Colombia should be able to poison the elites of numerous countries without being counterattacked by security forces and highly technical armies. What, they are going further in their critical review, could be the real reason behind this freedom of crime.

Forsyth gives answers and his political message is not shaped for convenience. The story begins with a special event in Americas White House where the president is confronted with the sudden death of the son of an employee. It was caused by the abuse of cocaine and social responsibility and a sentimental mood brings him to the conviction that it is necessary to fight world wide cocaine trade.

Investigations of the presidential office are leading to a former agent called The Cobra. This a little bit ancient appearing gentleman is going to be in charge to extinguish the cocaine cartel. The Cobra acquires another counterpart of former times and both begin to line up battle. Beside the excellent idea of trying to reduce the cargos and to raise competition between the criminal cartels, the story is dangerously losing attraction because suddenly the focus is on technical equipment.

More than hundred pages are wasted with precise and detailed descriptions of vessels, air vehicles and ballistic apparatus. The story is dominated by technical terms and the political plot is losing its drive. The message and really provoking thesis of the novel by insinuating the politicians and their weak characters are the real problem in fighting cocaine seems to deteriorate behind the technical dominance. So the development of the novel is as disappointing as the end of the war against the drug cartel itself.

Die subversive Kraft des Humors

Die Literatur liefert uns unzählige Beispiele über die Bedeutung des Humors im Überlebenskampf politischer Auseinandersetzungen. Von der Inquisition bis zur Aufklärung kristallisierte sich die Stimulation zum Lachen als eines der letzten zur Verfügung stehenden Mittel heraus, die dem Widerstand gegen Unterdrückung, Folter und Phantasielosigkeit noch blieben. Der Schlüssel für die zersetzende Kraft des Humors mag darin liegen, dass die formale logische Konsistenz fehlt, oder, um es verständlicher auszudrücken, wer dem witzigen Anwurf voller Ernst antwortet, der hat sich zumeist schon desavouiert!

Eine der beindruckendsten Rekonstruktionen der Auseinandersetzung zwischen dem klerikalen Obskuratismus des Mittelalters und der Aufklärung ist sicherlich dem Semiotiker und späten Romancier Umberto Eco gelungen, der in der Schlüsselszene in der Bibliothek des italienischen Klosters den Hardliner Jorge von Burgos dem der Aufklärung aufgeschlossenen William von Baskerville gegenüberstellt. Ihr vierzig Seiten zählender Dialog fasst vieles zusammen, was zum Thema revolutionärer Zersetzung repressiver Herrschaftsideologien durch den Humor und das Lachen ausmachen. Trotz der bestechenden Dokumente des Aufklärers reißt der Demagoge das unschätzbare kulturelle Erbe in Form der Bibliothek mit sich in die Flammen, denn sein Credo ist die Macht der Kirche oder das Nichts.

Dessen sollten sich alle, die sich der letzten, fundamentalen Kriegserklärung gegen bestehende Herrschaftsverhältnisse verschreiben, bewusst sein, wenn sie zum Humor als letzter Waffe greifen. Denn die polemische Phrasierung von Herrschaft bekommt den Opponenten in der Regel nicht. Weil, so könnte man sagen, die Macht, so vielseitig sie sich auch im Leben präsentieren mag, die Macht versteht auf sich selbst bezogen keinen Spaß. So desolat, verzerrt und überzogen sie auch oft daher kommt, ihre Präsenz verlangt Respekt, denn ohne diesen ist die Aura der Macht bereits entschwunden. Und ohne Aura ist sie nackt, und dann wird es schwierig, ihre Übergröße auch noch zu begründen.

Nicht umsonst sind Legendenbildungen und Mysterien so wichtig, um das Unberechenbare und Mystische der Mächtigen zu begründen. Daten, Zahlen und Fakten kann man dagegen setzen, das halten die Mächtigen sehr wohl aus, aber nicht den Humor, der beraubt sie ihres Schutzes.

Wer also glaubt, durch den Einsatz des Humors gegen die Herrschaft ein lustiges Spielchen zu treiben, das von allen Beteiligten goutiert wird, der begeht einen grausamen Fehler. Es ist das gefährlichste Instrument auch für diejenigen, die diese Waffe führen. Das wussten die Meister dieses Ganges der Kritik sehr gut. Sie entschieden sich trotz aller Konsequenzen für den tödlichen Gang. Und wie sollte man angesichts der Fragestellung ohne Heinrich Heine auskommen können, dem die Geheimnisse allzu bekannt waren? „Und wenn das Herz im Leibe ist zerrissen, zerrissen und zerschnitten, und zerstochen – dann bleibt uns doch das schöne gelle Lachen.“

Auf Wallfahrt zum Big Tool

Von Sigmund Freud stammt der Terminus des Prothesengottes. Was er damit bezeichnen wollte und treffend bezeichnete war die Fähigkeit des Menschen, seinen Willen mit Hilfe von Instrumenten durchzusetzen. Zunächst mit einfachen Waffen und Werkzeugen bis hin zu immer höher entwickelten Instrumenten und Mitteln. Indem der Mensch sich diese Instrumente oder Prothesen zunutze machte, so Freud, desto mehr wachse ihm Macht zu, desto mehr unterliege er aber auch der Mystifikation, selbst die Quelle dieser Macht zu sein. Was Freud in dieser Dimension erahnte oder befürchtete, war ein daraus resultierendes irrationales Verhältnis der Menschen zu den sie anscheinend zu allem befähigenden Instrumenten.

Erkenntnistheoretisch später, aber folgerichtig standen dann die kritischen Philosophen Horkheimer und Adorno vor einem Schlüssel zur Deutung der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts, dem Faschismus mit seiner Vernichtungs- und Herrschaftsideologie. In den von ihnen verfassten Schriften Zur Kritik der instrumentellen Vernunft und der Dialektik der Aufklärung wiesen sie auf den Zusammenhang von Erkenntnis und Ermächtigung hin und machten deutlich, wie die instrumentelle Erhöhung den Menschen zu desaströsen Fieberphantasien führen kann.

Wer geglaubt hatte, mit den weltgeschichtlich unter großen Schmerzen errungenen Erkenntnissen sei der unkritische Umgang mit Werkzeugen und Maschinen zu ende gewesen und eine demütigere Beurteilung der menschlichen Existenz und ihrer Bedingungen eingezogen, der sollte bitter enttäuscht werden. Obwohl man ostentativ dem größten Exzess dieses Irrglaubens abschwor, führte die weitere Entwicklung der Gesellschaften zu einem Zustand, der den freudschen Terminus des Prothesengottes nunmehr wie eine amüsante Anekdote der Weltgeschichte anmuten lässt.

Die technische Entwicklung erlebte eine Revolutionierung nach der anderen, die Halbwertzeiten des technischen Wissens wurden immer kürzer und die Reflexion über das technisch Machbare und menschlich-gesellschaftlich Wünschenswerte wurde fast vollkommen verdrängt. Wer ein Einhalten, Betrachten und Bewerten in Form eines gesellschaftlichen Diskurses anmahnte, wurde der Rückständigkeit und Träumerei bezichtigt und die einzige Philosophie, die den jugendlichen Sturm und Drang noch befriedigte, war die ungehemmte Beschleunigung.

Am Ende dieser Entwicklung stehen wir heute Protagonisten gegenüber, die ihren Nihilismus hinter positivistischen Weltbildern verstecken, die runenhaft auf Sinnzusammenhänge verweisen, die vermeintlich der Chaostheorie entstammen könnten. Dahinter verbirgt sich schlichtweg die Unfähigkeit, soziale und politische Ziele jenseits ihrer Instrumentierung formulieren zu können. Da wundert es dann kaum noch, dass Ereignisse wie in Fukushima nur noch blankes Entsetzen auslösen. Eine Erklärung für den Wahn der Instrumentalisierung der Welt gelingt zumindest ihnen nicht mehr.