The Wire. Die dritte Staffel
Nach einer quasi monokulturellen Studie des Gewerkschaftsmilieus in der zweiten Staffel wird es in der dritten richtig dicht. Da haben die Studien über die Gesetzmäßigkeiten des Drogenkartells von Avon Barksdale bereits die tiefe einer Übung aus dem Feld der Systemtheorie. Während Avon selbst aus dem Knast kommt und das Kerngeschäft kaum noch begreift, weil ihm zwei Jährchen fehlen, hat sich sein Kompagnon Stringer Bell auf den Weg gemacht, den legalen Arm des Unternehmens auszubauen. Auch ihm, den mit allen Wassern gewaschenen schweren Jungen, schlagen Anzugträger aus der Politik gehörige Schnäppchen, weil sie ihn mit seinem Glauben an die Legalität heftig an der Nase herum führen. Der legale wie der illegale Arm der Organisation erzeugen gegenseitig heftige Vertrauenskrisen, Avon Barksdale vertritt das alte Paradigma und erkennt die Nähe Stringer Bells zum Establishment. Brother Mouzon, ein Emissär der ganz Großen aus New York, der in Outfit wie Zivilisationsgrad an einen Malcom X erinnert, überzeugt Avon schließlich, das Stringer Bell ein doppeltes Spiel treibt.
Stringer Bells Showdown, der den Niedergang des Kartells endgültig einleitet, weil ein junger Stern bereits die Macht auf der Straße usurpiert hat, wird durch eine Aktionseinheit von Brother Mouzon und Omar vollzogen. Die Liquidierung des Parvenüs durch die grausamsten, aber auch geistreichsten Verbrecher der tief schwarzen Szene bringt alles mit, um in die Filmgeschichte einzugehen.
Flankiert wurde der Niedergang durch den eigenwilligen Versuch des schwarzen Polizeioffiziers Colvin, der in einem leer stehenden Viertel Baltimores den Drogenhandel temporär legalisiert hat, um die bewohnten Neigbourhoods von der Kriminalität zu befreien. Er beruft sich dabei auf das Beispiel Amsterdams, was dazu führt, dass in der Szene nur noch von Hamsterdam gesprochen wird. Als die Politik jedoch Wind davon bekommt, wird durch eine Großrazzia alles zerstört und der Status quo ante, wesentlich schlechter, wieder hergestellt.
Das bereits bekannte Polizeiteam hat bei allem seine eigenen Probleme, bei einem Einsatz erschießt der Pole mit dem unaussprechlichen Namen einen schwarzen Undercover-Kollegen, was ihn per se zu einem Rassisten stempelt, obwohl offensichtlich, dass dem nicht so ist. Kima, die charmante Lesbe, ist zunehmend genervt durch die Verbürgerlichung ihrer Beziehung und sucht sich Befreiung in ungezügelter Libertinage, während McNulty es vorzieht, nach der erneuten Festnahme von Avon Barksdale zurück auf Streife zu gehen, dahin, wo er hingehört.
Die durchgehende These von The Wire wird fortgesetzt, weder Zivilgesellschaft, noch Polizei, noch Politik und nicht das Milieu sind frei von Makel, daran hindern auch die politisch korrekten Karrieren schlauer Frauen und Vertreter von Minoritäten nichts. Und in allen wohnt auch etwas Gutes und Edles, man muss sehr genau hinschauen, bevor man ein Urteil fällt, und selbst das, bitte immer unter Vorbehalt!
