Quasi organisationsunabhängig stoßen wir immer wieder auf ein Phänomen, dessen Auftreten viele Beteiligte sprachlos macht. Es handelt sich dabei um die technische und handwerkliche Fähigkeit, etwas umzusetzen und das gleichzeitige fehlende Verständnis für die spirituellen Nuancen und ihre Wirkungen. Da werden zum einen Programme entwickelt, die intellektuell alles berücksichtigen, was bei dem Thema Relevanz besitzt, aber bei der Umsetzung passieren dann Fehler, die ein Resultat hervorbringen, das an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten ist. Vor allem die Initiatoren der Programme sind dann zumeist entsetzt, wenn sie beobachten müssen, wie unsensibel und verständnislos die einzelnen Programmpunkte appliziert werden.
So erzählte ein Mitarbeiter aus einer Organisation, die sich lange Jahre jeglicher Innovation entgegen gestellt hatte, dass sich die Geschäftsleitung für die Implementierung des Gedankens des Kaizen, d.h. eines ständigen Verbesserungsprozesses entscheiden hatte, um die Erfahrungen und Ideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv aufnehmen zu können und die Organisation für Innovationen zu öffnen. Und genau die Vorgesetzten, die jahrelang jede Überlegung zu einer Verbesserung kategorisch abgelehnt hatten, begannen nun, die Mitarbeiter regelrecht zu piesacken und unter Druck zu setzen, wenn sie nicht ständig neue Verbesserungsvorschläge machten. Der Mitarbeiter berichtete, dass sich sogar Projektgruppen zur Optimierung des Kaffeekochens konstituiert hätten, um die Leitungskräfte zu beruhigen. Das Ergebnis, wie sollte es anders sein, war, dass das Konzept der ständigen Verbesserung schneller desavouiert war als in den schlimmsten Träumen befürchtet.
Nun kann man hier und da darüber spekulieren, ob die besagten Führungskräfte bewusst solche Taktiken anwenden, ob etwas Neues sehr subtil zu verhindern. Atypisch für die Reaktion vieler Gutwilliger ist es jedoch nicht. Vielmehr haben wir es mit einem regelrecht typischen Produkt der instrumentellen Vernunft zu tun. Die Einführung neuer Instrumente und Methoden kann in der Regel nur mit einem Absolutheitsanspruch durchgesetzt werden, der keine anderen Optionen mehr zulässt. Wäre das der Fall, hätten wir es mit sehr stark ausgeprägten Charakteren bei den Handelnden zu tun, die selbstkritisch und selbstreflektiert die Verantwortung für das übernähmen, was sie entscheiden und tun. Da jedoch der Geist einer Maßnahme kaum noch vermittelt werden kann, weil denen, die sie lancieren, die Befähigung der Vermittlung fehlt oder denen, die sie ausführen sollen, es an der notwendigen Antenne mangelt, einigt man sich auf den technischen Vorgang.
So werden selbst gut gemeinte Pläne zumeist gelesen und gedeutet wie eine Gebrauchsanweisung oder eine Bedienungsanleitung für ein technisches Instrument. Das sich offenbarende Defizit ist die Entkernung der Bildung von ihrer Semantik. Der Sinn dessen, womit wir uns auseinandersetzen, ist aus dem Kontext entrissen und der kommunizierte Vorgang reduziert sich auf die technische Funktionsweise. Das jedoch ist zuwenig, um im Geiste des Erfinders gelebt zu werden.
