Easy To Play But Hard To Feel

Coleman Hawkins encounters Ben Webster

Es gab sie und gibt sie, die Momente, die gar nicht großartig arrangiert sind, sondern aus einer Laune heraus entstehen. Und wie es der Zufall will, treffen sich die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, um etwas zusammen zu machen und es passt einfach alles. So ein Tag war der 16. Oktober 1957, als sich die beiden Tenorsaxophonisten Coleman Hawkins und Ben Webster in den Capitol Studios in Hollywood trafen, um zusammen mit Oscar Peterson am Klavier, Herb Ellis an der Gitarre, Ray Brown am Bass und Alvin Stoller am Schlagzeug etwas einzuspielen.

Der gute Stern, der über der Aufnahme stand, war, dass weder Coleman Hawkins noch Ben Webster sich gegenseitig etwas beweisen mussten. Sie waren beide jenseits der Fünfzig, hatten alle Höhen und Tiefen gesehen und wollten einfach nur mal sehen, was sie zusammen so zustande brachten. Hinzu kamen die genannten hoch talentierten und relativ jungen Musiker, die alles taten, um den beiden Ikonen zu gefallen.

So saß der Mann aus Missouri dem anderen aus Kansas gegenüber und sie stimmten sich ein mit dem Blues For Yolande, einem sehr eingängigen, einfachen Blues-Schema, das sie wie schlafwandlerisch mit mal rotzigen, mal samtweichen Intonationen zum Schwingen brachten. Sie hatten beide genug erlebt, um den Blues fühlen zu können und ihre Abgeklärtheit war dem Thema eher zuträglich. Was dabei heraus kam, war die reine Lebensweisheit und Freude.

Mit den Stücken It Never Entered My Mind und La Rosita erweiterten Hawkins und Webster das gemeinsame Experiment, das eigentlich keines war, weil diese Generation es gewohnt war, ohne große PR-Maschinerie zusammen zu Jammen, um das Feld des Latin. So wie sie dann bei You´d Be So Nice To Come Home To um den Swing erweiterten und bei Prisoner Of Love, Tangerine und Shine On Harvest Moon klassische Balladen des Jazz mit aufzunehmen.

Die Aufnahme, die also mit wenigen Stücken ein größeres Spektrum des damaligen Jazz einschloss, wurde auf der vorliegenden CD noch um zwei weitere Versionen des Blues For Yolande bereichert, die beide zeigen, dass sie Blues in verschiedenen Tempi und Akzentuierungen im Unterbewusstsein so choreographieren konnten, dass überaus spannende Figuren dabei herauskamen. Die insgesamt phantastische Aufnahme gewinnt noch dadurch, dass es sich um schlichte analoge Technik mit Mikrophonen handelt, die selbst auf der CD noch ein Raumgefühl vermittelt und eine individuelle Tonalität erzeugt, die jenseits des synthetischen Mainstreams liegt.

Da trafen zwei Tenoristen aufeinander, die entspannt waren, das richtige Gefühl hatten und an nichts mehr zweifelten.