Joe Cocker. Hard Knocks
Was muss ein Mann noch beweisen, der vom Gasinstallateur aus dem britischen Sheffield es auf alle Bühnen der Welt geschafft hat, der bereits in jungen Jahren zur Legende wurde, der so schnell verschwand wie er aufgetaucht war und doch nach einigen Jahren zurückkam, um unangefochten zu bleiben. Schon damit durchbrach er das Gesetz der Boxer, von denen es hieß, they´ll never come back. Joe Cocker, der seit zwei Jahrzehnten auf der Mad Dog Farm in Colorado residiert und von dort immer mal wieder auf Welttournee geht, Joe Cocker muss keinem mehr etwas beweisen.
Umso schöner ist es, dass mit seinem neuen Album Hard Knocks nun eine weitere Reflexion der eigenen Biographie in musikalischer Form zugänglich ist. Er hat nie für sich reklamiert, der große Innovator zu sein, vieles von dem, das ihn berühmt gemacht hat, waren Cover-Versionen, die durch seine persönliche, raue, proletarisch einfühlsame Note überzeugten. Der Mann, der oft aufs Pflaster geschlagen ist, durch Schulden, Suff und Gewalt, der seit Jahrzehnten aus den wilden Zeiten gelernt hat, nimmt sich da Recht heraus, in seinen Liedern darüber überzeugend zu erzählen.
Der Titelsong Hard Knocks ist eine Hymne an die Ehrlichkeit zu sich selbst. Ohne zu heroisieren erzählt Cocker von den Schlägen, die er hat einstecken müssen wie ein Boxer in den Seilen. Und es klingt wie eine Verhöhnung der zeitgenössischen Welt, in der die Botox getriebene Camouflage die Geschichte aus den Gesichtern eliminieren soll, dass Cocker die Narben und Schrammen, die er sich in den Lebenskämpfen zugezogen hat, stolz auf seiner Brust trägt wie Orden aus dem großen vaterländischen Krieg. Trotz aller Verletzungen sind die Schläge und ihre Folgen Notwendigkeiten auf dem eigenen Weg der Befreiung.
Und so ist das Album zu lesen wie ein Fazit aus den Betrachtungen des Lebenskampfes. Get On, So It Goes, Stay The Same sind allesamt Titel, die in dieser Linie stehen und keinerlei Raum lassen für eine falsch verstandene Larmoyanz, die keinem etwas nutzt. Ganz im Gegenteil, in Thankful wird sich sogar noch bedankt für einen Lebensweg, der alles andere als leicht war oder keinen Preis gefordert hätte. Dass er dabei teilweise seine Ranküne wie in Unforgiven mit sich trägt, ist da nur allzu menschlich, und dass er seine Reflexion über die eigene Geschichte beschließt mit I Hope zeugt von dem ungebrochenen Willen des heute 66jährigen Sängers.
Man mag es kaum glauben, aber Hard Knocks reicht an eine Zeit zurück, in der man von Konzeptalben sprach, als es noch keine Überforderung an das Publikum darstellte, einen komplexeren Zusammenhang auf die Sinne einwirken zu lassen. Joe Cocker, der Vernarbte, der Ungebrochene, der Proletarier, er steht zu seiner Weise, und die ist an Ehrlichkeit kaum zu überbieten.
