Einer der innovativen Politiker dieses Landes hat auf seiner Homepage den Mut gehabt, in aller Offenheit über die Zweischneidigkeit der so genannten Politikverdrossenheit in unserem Land zu sprechen. Nicht nur, so schrieb er, gebe es unleugbare Tendenzen der Überdrusses im Volk, wenn es die Art und Weise betrachte, wie hierzulande und gegenwärtig Politik betrieben werde. Nein, und das ist selten und kann nicht genug gewürdigt werden, er führte aus, dass auch vielen Politikern der Appetit an diesem Geschäft gewaltig vergangen sei. Und hat man den Anstand, sich mental auf die Seite derer zu begeben, die das politische Gestaltungswesen im gegenwärtigen Zustand mit Verve bestreiten wollen, so kann man sich vorstellen, wie denen, die das wirklich wollen, alles vergellt wird, was konstruktiv sein könnte.
Betrachtet man die politischen Entscheidungsprozesse, die Kompliziertheit der Verfahren, die langwierigen Diskussionen, die teils völlig hirnrissigen und unqualifizierten Einwürfe von irgendwelchen Edelkomparsen aus dem halbgebildeten Mittelstand, die Sozialromantiker, die Subkulturalisten, die abgewichsten Lobbyisten, die Weichspüler und Intriganten, die zumeist die öffentlichen Diskussionen dominieren, so kann man sich sehr gut vorstellen, in welchem Gemütszustand sich diejenigen befinden, die etwas zum Guten bewegen wollen.
Von der anderen Seite aus betrachtet, d.h. von der Warte der nicht professionellen Interventionisten, kann einem doppelt übel werden. Hier die beschriebenen Berufsopponenten, dort die pathologisch und sozial mit ihrer Rolle verwachsenen Chefideologen der Politik, die mit dem Sexappeal von Fleischwölfen für Perspektiven werben, die längst keine mehr sind.
Denkt man an den anfänglich zitierten Politiker, dann scheint es jedoch eine Schnittmenge zu geben, die sowohl im Lager der professionellen Politik wie dem der aktiven Bürgerschaft Akteure liegt, die die intellektuelle und kulturelle Malaise in den öffentlichen Entscheidungsprozessen nicht mehr hinnehmen möchte. Die Zeit, sich von der Dogmatisierung, die an Unerträglichkeit kaum noch zu überbieten ist, zu distanzieren, scheint indes günstiger zu werden.
Die Voraussetzung, um Verhältnisse, die man nicht mehr gewillt ist, hinzunehmen, ist eine für jede demokratische Staatsform wesentliche. Es geht dabei um schlichte, aber rar gewordene Tugenden wie Aufrichtigkeit und Mut, genauso wie um Respekt. Betrachtet man die gegenwärtigen Diskussionen, die durch die medialen Castingshows mit politischen Jurys gejagt werden, die sich mittlerweile wie inquisitorische Totschläger gebärden, dann könnte der Mut fast wieder schwinden.
Dennoch ist es nie zu spät, neue Ziele zu formulieren und Allianzen zu schmieden, die durch Strategien bestechen, die jenseits partikularer, feister und degoutanter Interessen liegen. Der Widerstand ist stets ein guter Schirmherr für eine neue Qualität.

Es wird Zeit, dass jemand den „Neuen Luhmann“ schreibt ! Der alte
wird zu oft und z.T. falsch zitiert.