Archiv für den Monat September 2010

Globale Denk- und Produktionsweisen

Die Identifizierung der merkantil-orientalen und der cartesianisch-westlichen Denk- und Produktionsweisen liegen auf der Hand, wenn man seinen Blick im Zentrum Europas zum ersten Mal erhebt. Entscheidend für die Herausbildung dieser beiden Kompetenzen ist die starke Historie, die beide Kulturkreise sowohl in ihrer Eigenentwicklung als auch in ihrer Interaktion aufzuweisen haben. Der europäische Rationalismus und der orientalische Merkantilismus konnten sich über Jahrhunderte während des römischen Imperiums koexistent entwickeln und kennenlernen, was allerdings nicht dazu beigetragen hat, die Ressentiments für alle Zeiten zu beenden.

Gesellschaften mit hochentwickelten Kompetenzen hören nicht mit Europa und dem Nahen Osten auf. Eine bloße kontinentale Aufteilung brächte wenig, weil es teilweise aufgrund der Komplexität und Unterschiedlichkeit doch angebracht erscheint, einzelne Kontinente zu unterteilen, während es bei anderen Fällen wiederum Sinn macht, unterschiedliche Kontinente unter einer Überschrift zu verbinden.

So wäre, Europa bis auf den Osten unter die cartesianisch-westliche Denkweise zu fassen. Der amerikanische Kontinent sowie Australien sind letztendlich dem europäischen Kontinent in dieser Klassifizierung zuzuordnen, mit der interessanten Spezifizierung, dass wir es bei Australien, Kanada und vor allem der USA mit der protestantischen, bei Mittel- und Lateinamerika mit der katholischen Variante des europäischen Cartesianismus zu tun haben.

Asien muss einer weiteren Differenzierung unterliegen, weil wir dort sowohl das klassisch merkantil-orientalische Phänomen beobachten, vor allem an den Küsten des Indischen Ozeans mit Ausnahme Indiens, das eine Sonderstellung einnimmt, während die kontinentalen Kulturzentren Russland und China eher dem asiatisch-hydraulischen Komplex zuzuordnen sind. Dabei handelt es sich um Kollektivgesellschaften, die in der Regel zu despotischen Regierungsformen neigen, ein auf Familie, Tradition und Gastfreundschaft basierendes Wertesystem aufweisen und imstande sind, mächtige Arbeitskraftformationen zu organisieren, die im wahren Sinne des Wortes Berge zu versetzen in der Lage sind.

Afrika wiederum lässt sich über den arabischen Zugang in einen Teil aufteilen, der als merkantil-orientalisch klassifiziert werden kann, während der Rest zumeist als archaisch-tribal oder postkolonial bezeichnet werden muss. Die vorgefunden Kompetenzen stehen somit zumeist in der Tradition von Westen und Nahem Osten.

Das mit grobem Duktus entworfene Bild deutet die Geographie von globalen Kompetenzfeldern an, auf die wir uns in Zukunft konzentrieren müssen. Technik, Workforce und Vermittlung sind die drei Tugenden, die wir geostrategisch orten können, und die es gilt, sie in einer globalen Ökonomie in ein gemeinsames Handlungsmuster zu bringen. Das stärkt die Kooperation, weil es die Interdependenz verdeutlicht.

Grundlagen interkultureller Kommunikation

Produktionsbedingungen und Ressourcenverfügbarkeit scheinen eine wichtige Konstituante für das Rollenverständnis der Akteure eines Wirtschafts- und Kulturkreises zu sein. So, wie die cartesianische Begriffswelt des Westens die Messbarkeit der Dinge in ihrer technischen Präzision zu einer Kollektivsymbolik entwickelt hat und damit die Verhaltensmuster beschreibt, so tun dieses auch andere Regionen gemäß ihrer materiellen Lebensvoraussitzungen und –weisen. Die Welt des Handels aus den östlichen Kulturen definiert sich über die soziale Beziehung und den Prozess. Wenn diese beiden, der Einfachheit hier genannten Komplexe aus Ost und West miteinander kommunizieren wollen, sind viele Faktoren zu beachten, die Bedingung einer gelungenen interkulturellen Kommunikation sind.

Das Maß an Missverständlichkeit wird bestimmt durch die eigene Ignoranz für die Andersartigkeit der anderen Seite. Messen, Zählen, Bewerten, das geschriebene Wort, der definierte Zeitrahmen und der quantifizierte Aufwand sind in der Regel die westlichen Grundlagen für Verhandlungen, die zu Vereinbarungen führen sollen. Atmosphäre, Gruppendynamik, persönliches Wohlbefinden, Respekt, Nonchalance, Gastfreundschaft und Zeit hingegen gehören zu den wesentlichen Vorstellungen der östlich-merkantilen Welt.

Nun sollte man nicht meinen, angesichts reichlich konträrer emotional-semantischer Voraussetzungen sei ein gelungener Dialog mit einem gemeinsamen Ergebnis nicht möglich. Dies trifft jedoch nur solange zu, wie beide Seiten nicht bereit sind,aus ihrem psychosozialen Kokon zu schlüpfen. Das Verständnis des Gegenübers resultiert aus einem Dialog über die jeweilige Vorstellungswelt. Es ist die Investition, die von beiden Seiten verlangt werden muss, um einen dauerhaften Diskurs zu ermöglichen.

Der Westen muss wissen, dass der zentrale Terminus der östlich-merkantilen Denkweise der Respekt ist, der wiederum mit verschiedenen Attributen wie Familie, Kollektiv, Tradition, Würde, Fürsorglichkeit und Wohlbefinden konnotiert wird. Genauso ist der Osten falsch beraten, die reflektierte, auf Aufklärung, Individualität, Freiheit, Transparenz und Zeitlichkeit von Macht basierende Denkweise des Westens nicht als ein zu respektierendes Faktum zu begreifen.

Die Geschichte missglückter Dialoge im Nahen Osten ist die Geschichte beiderseitigen mangelnden Respekts, der sich manifestiert in der nicht zur Kenntnis genommenen Andersartigkeit der Gegenseite. Die Aufhellung der Welt ist dem östlichen Fundamentalismus genauso suspekt wie dem westlichen Fundamentalismus die Marktresistenz durch Tradition.

Interkulturelle Kommunikation, die gelingen will, leitet sich aus einem Verständnis für die jeweils andere Seite eines grundsätzlich unterschiedlichen Denkens und Wirtschaftens ab. Verständnis ist beidseitig und resultiert aus einer Investition in das Wissen um die andere Seite. Die Frage touchiert auch den Komplex der Integration, ist jedoch im Weltmaßstab noch virulenter, weil es jenseits des cartesianischen Westens und merkantilen Ostens noch andere Entitäten existieren, die in Betracht zu ziehen sind.

Pursuit of Power – Decline of Social Responsibility

Robert Harris. Lustrum

Since Imperium Robert Harris has committed himself to the subject of Roman History. Intrigued by the career of Cicero, he dedicated Lustrum as a finalization of his fictive biography in shape of a trilogy. Like the two volumes before, Harris is successful in designing a permanent tension according to the changing relations of Cicero, Caesar, Catalina and Pompeius.
Despite knowing that the drama takes place in the first century before Christ, the reader won´t be able to get rid of the feeling that many aspects of the political action taking place is well known to him and based on daily experience.
We see a rough and dirty pursuit of power, mainly masterminded by Caesar, who is arranging the different characters around like puppets on his strings. As a genius in strategic planning, he changes roles and political mandate to achieve his goals which have all in common to increase his personal power.
Cicero who successfully investigates the plans of a coup d´etat by Catalina can resume his consulship as tremendously effective. But while already enshrining his own achievements in a historiographical consideration Caesar conducts his next steps and outdraws the public figure of Cicero by opening new chapters of masterminded politics. At the end Caesar has gained a maximum of power and the last democratic icon of this period, Cicero, has to leave beloved Rome by night facing exile.
The value of reading the book is recognizing the connection between increasing power and the decline of social responsibility. Something we are nowadays as aware of as fellows in ancient times. And the reader cannot get rid of the idea that there has to be something in human nature that we never want to accept but always have to face: a very egoistic, greedy and reckless character as a precondition of political success.
Who is willing to accept the message and likes the historical hints should read this book.