Die Diversität unserer Welt und ihrer unterschiedlichen geographischen Kompetenzzentren stellt dem Menschen von heute, der davon aus geht, dass er global denken und handeln will, vor ein nicht unbeträchtliches Problem. Zum einen befindet sich jeder Vertreter in seinem eigenen Kulturkreis, der gekennzeichnet ist durch die eigene Kernkompetenz. Andererseits ist es für den eigenen Kompetenzkreis charakteristisch, in Bezug auf die anderen Globalkompetenzen mit Defiziten behaftet zu sein, die im eigenen geographischen Feld kaum ausgeglichen werden können.
Die sich aufdrängende Frage ist essenziell: Kann es gelingen, die verschiedenen Kompetenzen von Technik & Produktion, Workforce sowie Handel und Vermittlung in einem identischen geographischen Areal so zu arrangieren, dass von den in den geographisch unterschiedlichen Kompetenzkreisen vorhandenen Qualitäten keine verloren geht? Oder ist eher davon auszugehen, dass ein solcher Versuch nur wenig Chancen auf Erfolg hat und es eher darum geht, wie übrigens momentan mehrheitlich der Fall, in einer Art internationaler globaler Arbeitsteilung die Kompetenzen miteinander zu vereinen? Letzteres ist ein Resultat aus der kontinentalen Verschiedenheit und Eigenständigkeit, ersteres wäre der Versuch, die Welt zu homogenisieren, alles überall zu ermöglichen und sich an das Ende der sozialhistorischen Anthropologie zu stellen.
Unabhängig von dieser Frage, ob international durch optimierte Infrastruktur vernetzt oder geographisch und gleichzeitig überall zu allem befähigt zu sein, die Akteure in einem globalen Wertschöpfungsprozess müssen nicht nur über mindestens eine der beschriebenen Kompetenzen exzellent verfügen, sondern sie müssen zudem wissen, um welche anderen Kompetenzen es sich handelt, welche Verhaltensmuster und Lebenstechniken daraus resultieren und wie das alles erworben wird. Wissen sie es nicht, so haben Pannen wie im Irak oder Afghanistan Bestand und setzen sich in Konflikten in Pakistan, Mexiko und Bolivien fort, ohne dass es eine Aussicht gäbe, den Teufelskreis der eigenen Interpretationsmuster verlassen zu können.
Im Kleinen wird die beschriebene Erkenntnis immer mal wieder und partiell schon seit vielen Jahren im internationalen Projektmanagement verwendet. Nach der Beschreibung der Anforderungsprofile an die Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Projektteams geht man daran, Kandidaten zu suchen, die die basalen Fähigkeiten in Bezug auf Bildung und Technik mitbringen, um dann in einer zweiten Betrachtung die Harmonie- und Synergiefähigkeiten der jeweiligen Kulturkreise, die sich in dem Projekt versammeln, zu überprüfen.
Und plötzlich erscheint die Komposition unterschiedlicher Kompetenzen aus verschiedenen Kulturkreisen keine leere, mit Appellen behaftete Abstraktion mehr zu sein, sondern ein operationalisierbares Unterfangen. Die Anwendungsgebiete dehnen sich aus und wachsen schneller, als die Kompetenz, die unterschiedlichen Charaktere zur Kooperation zu bringen.
