Grundlagen interkultureller Kommunikation

Produktionsbedingungen und Ressourcenverfügbarkeit scheinen eine wichtige Konstituante für das Rollenverständnis der Akteure eines Wirtschafts- und Kulturkreises zu sein. So, wie die cartesianische Begriffswelt des Westens die Messbarkeit der Dinge in ihrer technischen Präzision zu einer Kollektivsymbolik entwickelt hat und damit die Verhaltensmuster beschreibt, so tun dieses auch andere Regionen gemäß ihrer materiellen Lebensvoraussitzungen und –weisen. Die Welt des Handels aus den östlichen Kulturen definiert sich über die soziale Beziehung und den Prozess. Wenn diese beiden, der Einfachheit hier genannten Komplexe aus Ost und West miteinander kommunizieren wollen, sind viele Faktoren zu beachten, die Bedingung einer gelungenen interkulturellen Kommunikation sind.

Das Maß an Missverständlichkeit wird bestimmt durch die eigene Ignoranz für die Andersartigkeit der anderen Seite. Messen, Zählen, Bewerten, das geschriebene Wort, der definierte Zeitrahmen und der quantifizierte Aufwand sind in der Regel die westlichen Grundlagen für Verhandlungen, die zu Vereinbarungen führen sollen. Atmosphäre, Gruppendynamik, persönliches Wohlbefinden, Respekt, Nonchalance, Gastfreundschaft und Zeit hingegen gehören zu den wesentlichen Vorstellungen der östlich-merkantilen Welt.

Nun sollte man nicht meinen, angesichts reichlich konträrer emotional-semantischer Voraussetzungen sei ein gelungener Dialog mit einem gemeinsamen Ergebnis nicht möglich. Dies trifft jedoch nur solange zu, wie beide Seiten nicht bereit sind,aus ihrem psychosozialen Kokon zu schlüpfen. Das Verständnis des Gegenübers resultiert aus einem Dialog über die jeweilige Vorstellungswelt. Es ist die Investition, die von beiden Seiten verlangt werden muss, um einen dauerhaften Diskurs zu ermöglichen.

Der Westen muss wissen, dass der zentrale Terminus der östlich-merkantilen Denkweise der Respekt ist, der wiederum mit verschiedenen Attributen wie Familie, Kollektiv, Tradition, Würde, Fürsorglichkeit und Wohlbefinden konnotiert wird. Genauso ist der Osten falsch beraten, die reflektierte, auf Aufklärung, Individualität, Freiheit, Transparenz und Zeitlichkeit von Macht basierende Denkweise des Westens nicht als ein zu respektierendes Faktum zu begreifen.

Die Geschichte missglückter Dialoge im Nahen Osten ist die Geschichte beiderseitigen mangelnden Respekts, der sich manifestiert in der nicht zur Kenntnis genommenen Andersartigkeit der Gegenseite. Die Aufhellung der Welt ist dem östlichen Fundamentalismus genauso suspekt wie dem westlichen Fundamentalismus die Marktresistenz durch Tradition.

Interkulturelle Kommunikation, die gelingen will, leitet sich aus einem Verständnis für die jeweils andere Seite eines grundsätzlich unterschiedlichen Denkens und Wirtschaftens ab. Verständnis ist beidseitig und resultiert aus einer Investition in das Wissen um die andere Seite. Die Frage touchiert auch den Komplex der Integration, ist jedoch im Weltmaßstab noch virulenter, weil es jenseits des cartesianischen Westens und merkantilen Ostens noch andere Entitäten existieren, die in Betracht zu ziehen sind.