Bei der Bestimmung wesentlicher Einflussfaktoren auf unsere Persönlichkeitsstruktur finden sich nicht nur die direkten Interventionsgestalten wie das Elternhaus, die Schule oder der Betrieb wieder. Wir sind zudem geprägt von einer bestimmten spirituell und kulturell zu definierenden Schwingung, die wir oft profan den Zeitgeist nennen. In der psychosozialen Dimension sind wir heute sehr geprägt von den Phasen der Traumatisierung als Kriegsfolge und der überprägten Sensibilisierung, die sich in Skeptizismus und Defätismus äußert. Unabhängig davon existierten und existieren bei unserer Sozialisation weiterhin positive Kraftfelder, die sich aus den Assets unseres Kulturkreises speisen.
Das, was als das Tafelsilber des Westens bezeichnet wurde und mit den großen Überschriften von Bildung und Infrastruktur benannt werden kann, wird komplettiert durch die Vorteile des sich selbst reflektierenden Ichs in seiner aufgeklärten Disposition. Neben der Selbstverständlichkeit einer physischen Infrastruktur und der ebenso vorhandenen Gewissheit, einen Zugang zu Bildung zu bekommen, haben sich Denkweisen in die Individualität westlicher Menschen eingepflanzt, die keiner Sozialisationsinstanz direkt gutgeschrieben werden können, sondern als kulturell-nationale Identitäten verstanden werden müssen.
Kein Mensch in der globalen Sphäre ist so von einer Zielorientierung geprägt wie der westliche. Das Denken in Zielen sowie in Mittel-Zweck-Relationen ist ihm quasi von der Wiege her mitgegeben und prägt den gesamten existenziellen Rhythmus. Bis zur Herausbildung einer eigenen Disziplin, der Teleologie, hat sich der westliche Kulturkreis mit dem Zweck der Dinge, mit den Mitteln zu seiner Erreichung, was sich in der Methodologie ausdrückt, intensiv beschäftigt. Von der Beherrschung handwerklicher Technik bis zur Handhabung der Macht wurde die Relation von Zweck und Mittel verwissenschaftlicht und somit einer moralischen Kontrolle enthoben. Die Kritik an letzter Entwicklung wurde in dem Vorwurf der Technokratie und des Utilitarismus manifest, dem die Kritik an einer rein technisch definierten Form der Beherrschung und der Befreiung jeglicher gesellschaftlicher Moralität innewohnt.
Eine ähnliche Form der Weltherrschaft wurde durch einen weiteren Sozialisationskontext bewirkt. Das Wissen in den gemäßigten Zonen um die Begrenztheit und Endlichkeit von Ressourcen führte seit archaischen Zeiten zu einer eisernen Disziplinierung und einer Perfektionierung des ressourcenökonomischen Denkens. Vorratsbildung, Rationierung und Sparsamkeit sind Tugenden, die nicht aus einem abstrakten Ethos, sondern aus Jahrtausenden bitterer Erfahrung abgeleitet wurden, und die in Bezug auf die Güter der Vergangenheit vielleicht nicht mehr so aktuell sind, aber durch Komplexe wie Natur, Energie und Umwelt heute und in der Zukunft abgelöst werden.
Um in dem Feld einer globalen Komparatistik zu bleiben: Zielorientierung und Ressourcenökonomie sind aus den Sozialisationskontexten des Westens generierte Denk- und Verhaltensweisen, die bis dato andere Kulturkreise zu dominieren in der Lage sind, sofern sie nicht in ihren Hochburgen erodieren.
