Um Missverständnissen vorzubeugen: Im amerikanischen Sprachgebrauch steht der Terminus Bimbo für eine Tussi. Zu denen zählt man Frauen, die im Gefolge von Celebrities zu sehen sind und sich durch bestimmte Dienste die Möglichkeit verschaffen, um im Rampenlicht zu stehen. Im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft zauberte der republikanische Herausforderer John McCain die bis dahin relativ unbekannte Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, aus dem Hut und setzte sie als Kandidatin für die Vize-Präsidentschaft. Letztere sorgte mit ihrer Burschikosität und Revolvernonchalance für manche Peinlichkeit und erwarb sich nach kurzer Zeit das Markenzeichen eines Bimbos. Die amerikanische Öffentlichkeit nahm sie nicht sonderlich ernst, McCain selbst reüssierte nicht mehr in dem Wahlkampf und Barack Obama wurde Präsident.
Nun, nicht einmal zwei Jahre nach dem republikanischen Debakel, das in erster Linie auf die entsetzliche Bilanz der Ära Bush zurückzuführen war, wird ausgerechnet die skandalgeschüttelte Sarah Palin, The Bimbo, zur Protagonistin einer inszenierten Erneuerungsbewegung. Der ultrakonservative TV-Moderator Glenn Beck, bei dessen Ansprachen man unweigerlich den Eindruck gewinnt, in eine fundamentalistische Versammlung geraten zu sein, wartete mit einem Setting auf, das provokanter nicht sein konnte: Auf dem Platz vor dem Capitol zu Washington rief er zu einer Massenkundgebung, genau am 47. Jahrestag der berühmten Rede Martin Luther Kings, in der jener mit der berühmten Sequenz „I had a dream..“ die Vision einer demokratischen Gesellschaft ohne Rassendiskriminierung aufgerufen hatte. Unter dem Slogan Tea Party mit Rekurs auf den Bostoner Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft, rief Glenn zu einer Manifestation gegen die Politik Obamas. Damit wurden die demokratischen Traditionen der USA auf den Kopf gestellt und zwei Monate vor den Kongresswahlen eine militante Kampfansage an die Demokraten formuliert.
Hauptrednerin war ausgerechnet jene Sarah Palin, die selbstverständlich für Waffenfreiheit, Law and Order, private Krankenversicherungen, militärische Dauerexpansion und alle möglichen Arten von Diskriminierung in der multi-ethnischen US-Gesellschaft steht. Sie ist das Kanonengirl der White Anglo Saxon Protestants, das mit seiner Schnoddrigkeit den Glauben an eine politische Kultur außer Kraft setzt. Sowohl sie als auch der nunmehr 74jährige John McCain haben angekündigt, bei der nächsten Wahl noch einmal ins Rennen zu gehen und das Rad in die Bush Ära zurückdrehen zu wollen.
Die so genannte Tea Party zeigte sich als eine Kampagne des ultrakonservativen Amerikas, das den historischen Wandel der Welt und des eigenen Landes nicht zur Kenntnis nehmen will. Das tatsächlich unerträgliche Gezwitscher einer Sarah Palin auf Twitter, welches für jedermann zugänglich ist, dokumentiert die intellektuelle Überforderung des republikanischen Konservatismus mit den Herausforderungen der Globalisierung. Die USA sind eine alte Demokratie und es wird sich zeigen, wie das neue, andere Amerika darauf reagieren wird.
