Mangelnde Bildung richtet die Demokratie zugrunde

Das, was bereits wieder als eine Marginalie im großen Stockprozess namens Bildung gehandelt wird, ist eine weitere, schwerwiegende Attacke gegen die Demokratie. Da nützt ein Volksentscheid, bei dem in bildungsreichen Stadtteilen wie Ottmarschen oder Blankenese mehr als doppelt so viele Bürgerinnen und Bürger zur Abstimmung gegangen sind wie in den Gebieten mit großer Arbeitslosigkeit und schlechten Bildungsergebnissen gar nichts. Ganz im Gegenteil! Der Volksentscheid in Hamburg beweist, dass die aktive demokratische Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen in hohem Maße vom Bildungsgrad der Bürgerschaft abhängt. Und anhand vieler zynischer Kommentare der Reformgegner, die gerade die wenig Gebildeten aufgrund dieses Zustandes zu stigmatisieren suchen zeigt sich, dass die durch ein Bildungsprivileg Gesegneten sich nicht als Garanten des demokratischen Prozesses eignen.

Fast genötigt wird man, die marxistische Diktion zu reaktivieren, wonach auch die Demokratie eine Herrschafts- und Unterdrückungsform ist, in der die Bourgeoisie das Proletariat zu Kreuze zwingt und von den Früchten der Arbeit mit Gewalt zurück hält. Die plötzliche Phalanx innerhalb der Bundes-CDU, angeführt von der Bundesbildungsministerin, macht deutlich, dass diese Bundesregierung die durch das bestehende Schulsystem etablierte Klassenteilung aufrechterhalten will. Welche ideologischen Manöver auch noch folgen werden, sie werden dieses Ansinnen nicht kaschieren können.

Eine Politik, die sich bis dato durch nichts hat ausweisen können, was auch nur andeutungsweise die Kontur einer Strategie gehabt hätte, dokumentiert mit ihrer Positionierung in der Schulfrage, dass die Schlacht am Kalten Buffet bereits eingeläutet wurde. Denn es geht nicht mehr um Perspektiven, sondern um das Tafelsilber, das der eigenen Meute vorbehalten werden soll. Wer keine Strategie besitzt, der kämpft lediglich noch um das Bestehende.

Die Politik, so wie sie sich heute in vielerlei Hinsicht präsentiert, hat jahrzehntelang von einem Prozess der allmählichen Bildungserosion und einer damit einhergehenden Entmündigung profitiert. Der Klientelismus ist das eigentliche Modell, das daraus generiert wurde. Denn die Klientelpolitik existiert nicht nur für Apotheker, Rechtsanwälte oder Hotelbesitzer, qualitativ läuft die gleiche Show auch für Hartz IV-Empfänger, Arbeitslose oder Leiharbeiter. Es wäre doch ein Gräuel, wenn vor allem letztere dazu befähigt wären, ihre eigenen Interessen zu artikulieren und zu organisieren. Nur ihr Bildungsgrad ermöglicht es, dass sie sich die vermeintlichen Fürsprecher noch mit halber Aufmerksamkeit anhören, wenn überhaupt.

Das Bündnis gegen eine Verbesserung des Schulsystems für die sozial schlecht Gestellten ist eine Vereinigung zur Aushöhlung der Demokratie. Der homo democraticus ist jemand, der Pflichten gegenüber einem Gemeinwesen empfindet. Er ist kein Schnorrer, und er empfände Scham, wenn er sich in einer solchen Rolle ertappte.

Ein Gedanke zu „Mangelnde Bildung richtet die Demokratie zugrunde

  1. Avatar von NatiNati

    Also, die eigentliche Krux liegt darin, dass wir uns in Deutschland weder zu Kindergartenpflicht noch zu Vorschulzwang noch zu Ganztagsschulen aufraffen können und zwar flächendeckend. Mittagessen in der Schule -undenkbar. Solange große Teile der Migranten ihre Kinder im Alter 1-6 von der daheim gebliebenen Familie erziehen lassen und diese dann ohne Vorwarnung in die deutsche Lese-und Schreibschule katapultiert werden, werden wir keines der Probleme lösen. Was hindert uns bisher ? Ein Festhalten an einem Kindheitsmythos und der längst vergangenen Welt „meine Frau braucht nicht zu arbeiten“ . Wer einmal erlebt hat, wie man als berufstätige Mutter von Kindergärtnierinnen, Mit-Müttern und Lehrerinnen (und ich benutze bewusst die weibliche Form !)als karrieresüchtig, geldgierig, raben-mutterisch abgestempelt wird, dem vergeht jegliches Lachen über die herrschenden Zustände, selbst ein ironisches bleibt im Halse stecken. Meine italienischen und französischen Freundinnen konnten ohne jegliche Probleme ihre qualifizierten Berufstätigkeiten aufrecht erhalten, sie mussten nicht ca. die Hälfte ihres Einkommens für sozialversicherte
    Hausgehilfinnen ausgeben, sie wurden nicht beschimpft – und im übrigen, der Stadtteil Altona umfasst nicht nur Blankenese, sondern große Teile der Einwohnerschaft sind selbstbewusste , hart arbeitende Hamburger, die immerhin nicht bildungsfern sind.
    Und wer hat denn in den ‚7ozigern allen eingeredet, jeder müsse
    Akademiker werden, das Handwerk verteufelt, der Hände Arbeit als gesellschaftlich nicht anerkannt dargestellt ? Ich meine mich genau zu erinnern, dass das Programm der SPD war.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.