Bernard Allison. The Otherside
Bernard Allison ist nicht nur der Sohn eines großen Vaters. Schon in jungen Jahren hatte der Jüngste der neun Kinder der Blues-Ikone Luther Allison im Pariser Exil an der Seite seines Vaters Gelegenheit, sein Talent zur Geltung zu bringen. Mit dem Electric Blues seiner Heimatstadt Chicago im Blut, hatte er mehr als ein Jahrzehnt, um im Schatten und im Schutze seines Vaters die Meisterschaft zu entwickeln, die ihn heute, im Alter von 45 Jahren, zu einer der ganz Großen in seinem Genre werden ließ. Nach seiner Rückkehr in die USA im Jahre 1999 legte er die extravagante, atemberaubende Verve des Funk wie in Funkifino etwas ab und konzentrierte sich auf die Revitalisierung des Electric Blues, immer noch angereichert und fantastisch mit stechenden Bläsersätzen inszeniert.
Bei seinem Album The Otherside, welches 2009 erschien, meldet er sich als Platzhirsch in den Staaten mit einem Album zu Wort, das alles andere als innovativ ist, allerdings mit den besten Qualitäten eines Genres glänzt, das schon allzu oft totgesagt wurde. Man muss genau hineinhören, um die Botschaften zu begreifen, die die scheinbar gesetzte und konsolidierte Oberfläche zu vermitteln scheint. So ist in I Woudn´t Treat A Dog (The Way You Treated Me) nicht nur eines der Standardthemen des Blues aktiviert, sondern auch die Dramatisierung des Themas durch einen eleganten Bläsersatz und die erschöpfte Singstimme eine einzigartige Hommage an die Südstaatenseele, die sich die langen Schienenstränge hinauf in den Norden geschleppt hatte, um in windigen Mietskasernen aus dem süßen Traum vom besseren Leben zu erwachen. Wie ein Fortsetzungsroman folgt mit Tired of Tryin eine wie durch Eigenmotorik getriebene Gitarre, die durch eine sich immer wiederholende Routine der Bläser ins Leere geführt wird, wobei ein Saxophonsolo das Gegenteil der Routine suggeriert, was die Gitarre mit einer neuen Initiative beantwortet. Im Titelsong The Otherside, eine kompakt angelegte Blues-Funk-Komposition, erklärt Allison die andere Seite der Vergeblichkeit, indem er die Geduld derer beschwört, die aus dem Weg der langen Wanderschaft aus Niggertown in ein anderes Dasein erwachsen muss, soll sie zum Erfolg führen. Die musikalische Meisterschaft, die er dabei an den Tag legt, lassen andere seiner Lehrmeister, Jonny Winter und Stevie Ray Vaughan anklingen und rekurrieren auf die große, schützende Familie des Blues. Und in Allison Way ruft er noch mal seinen Vater ins Gedächtnis, in ein Megaphon gesungen, als befände er sich auf einer Kundgebung und mache den Weg vom Mississippi-Delta nach Chicago zu einem politischen Programm, dessen Linien wiederum von einem exzellenten Saxophon beschrieben werden.
Bernard Allison ist längst im Stadium der Meisterschaft, was sich daran zeigt, dass er sich der Notwendigkeit seiner Wurzeln bewusst ist, neue Einflüsse mit in die alten Formen einfließen lässt und so selbstbewusst ist, dass er keine Egozentrik mehr braucht. Er ist ein Meister, der an sich übt, aus Freude am Metier und aus Überzeugung, dass seine Mission die richtige ist. Ein Glücksfall in einer Zeit der Überhitzung und Sinnentleerung. The Otherside besitzt da doch eine hohe Attraktion!

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