Es gehört zu den Axiomen demokratischen Denkens, dass eine unabhängige und kritische Presse den Prozess der öffentlichen Meinungsbildung begleitet und mitgestaltet. Es geht also um eine Instanz, die eo ipso durch kein korporatistisch begründetes Mandat gebunden ist, sondern sich definiert durch die Selbstreferenzen eines kritischen Journalismus, der berichtet, Informationen aufbereitet und kommentiert. Die Geschichtsbücher der Neuzeit liefern viele Beispiele für dieses heilige Theorem der demokratischen Entwicklung und es ist kaum denkbar, wie sich das Staatswesen der Moderne hätte ohne Freie Presse entwickeln sollen.
Wie die Verfassungsorgane selbst, so hat allerdings auch die Instanz des unabhängigen Journalismus Einflüsse hinnehmen müssen, die schwerlich als fördernd zu beschreiben sind. Die eine große Einschränkung der Unabhängigkeit wurde durch Konzentration und Monopolisierung von Besitzverhältnissen hervorgerufen. Immer mehr Presseorgane gehören so genannten Magnaten, die ihrerseits handfeste wirtschaftliche Interessen, auch auf anderen Sektoren als dem Pressewesen selbst verfolgen und sich zudem politisch festgelegt haben. Mit der multimedialen Ausdehnung des Informationssektors durchdringen immer intensiver ökonomische Interessen die Meinungsbildung, wahrscheinlich in einer Dimension, die vorher unbekannt war.
Eine andere, vielleicht weitaus substanziellere Seite der Demontage der demokratischen Bedeutung des kritischen Journalismus ist in einer auf Passivität, Konzentrations- wie Bildungsnotstand rekurrierende Berichterstattung, die die Metapher des Fast Foods oder der Aldisierung des Pressewesens durchaus zulässt. Das Phänomen von Leserinnen oder Lesern, die sich nicht mehr einer gewissen Ausführlichkeit oder einem gewissen Niveau stellen können, korrespondiert leider mit einer analogen Degression im Journalismus. Der alte, aufgeklärte und unbestechliche Geist, der einst den großen Vorbildern aus dem britischen Journalismus entsprang, ist in vielerlei Hinsicht einer Journalistengemeinde gewichen, die konditioniert ist auf die Suche nach dem emotionalen Impuls, der bei der Leserschaft treffsicher ausgelöst werden soll. Wie Werbefachleute sind sie in dieser Disziplin virtuos, auf Kosten des Sachberichts und der auf Wissen basierenden Kritik.
Das, was oft als das Kritische noch verkauft wird, mutiert meistens zu einer Verhöhnung des tatsächlich Kritischen, denn das Wagnis, die Verhältnisse zu ändern, wird nicht goutiert vom großen Markt, von dem man selbst beliefert wird. Die lasterhafte und zynische Kritik an den Kräften, ob aus Politik, Wirtschaft oder der Zivilgesellschaft, die versuchen, einer Welt, die von Reizen überflutet, aber von Gestaltungsideen entleert ist, kommt der Aufgabe des demokratischen Korrektivs nicht mehr nach, sondern ist längst ein Bestandteil der Bedrohung.
