Ein Demagogenkrimi als Raubkopie

Man muss schon auf den kollektiven Verlust des Kurzzeitgedächtnisses setzen, wenn man innerhalb von 18 Monaten das gleiche Muster bemüht, um von eindeutigen Sachverhalten abzulenken. Bereits mit dem Eintreten der Weltfinanzkrise im Herbst 2008 hatte die damalige wie heutige Kanzlerin eine Strategie verfolgt, die schlicht und einfach aus dem Arsenal der Demagogie stammt. Erstens suchte sie die Ursachen für die Krise zu kaschieren, zweitens aktivierte sie erfolgreich Ängste in der Bevölkerung und drittens gewann sie so Verständnis für die Stabilisierung der tatsächlichen Krisenursache durch staatliche Subvention. Der Satz „Die Sparbücher sind sicher“ war die Klimax der Perfidie, analog zu den Blümschen Konnotationen, wo es noch die Renten waren.

Die vornehmlich durch deutsche Banken mit staatlicher Beteiligung begangenen Spekulationsabenteuer auf dem US-Immobilienmarkt wurden von der Bundesregierung nie in ihrer tatsächlichen Dimension gewürdigt. Stattdessen stützte man sie und deklarierte sie als systemisch, um der Gesellschaft zu suggerieren, sie selbst gehe unter, wenn man die unseriösen Teile der Finanzwirtschaft sich selbst überließe. Die Krise wurde nicht dazu genutzt, um der Hochspekulation Grenzen zu setzen, was übrigens in den immer wieder gescholtenen USA geschehen ist. Proportional war die deutsche Beteiligung an der global überhitzten Spekulation wesentlich höher als die amerikanische, aber wo das Ressentiment hilft, da wird es mobilisiert.

Wie ein Stich ins Herz eines jeden Gutgläubigen mutet es daher an, mit ansehen zu müssen, wer in die hochspekulativen Kreditgeschäfte in Griechenland erneut verwoben ist und wer wiederum für die Kompensation zur Kasse gebeten werden soll. Die als Bad Bank deklarierte Hypo Real Estate, ja, wir hören richtig, hängt wieder richtig satt im Fiasko, und abermals prescht Frau Merkel vor, und appelliert an die Ängste der Bevölkerung. Diesmal lautet das Zitat „Wir schützen das Ersparte unserer Bürger“. Unabhängig von dem Versuch, eine eindeutige Zusage an ein internationales Rettungspaket aus wahltaktischen Gründen wegen der Landtagswahlen in NRW hinauszuzögern gewollt zu haben, was per se an Verantwortungslosigkeit nicht mehr zu überbieten ist, ist die Rettung der griechischen Volkswirtschaft tatsächlich systemisch. Die Lage, über die sich momentan das Boulevard so sehr beklagt, das Leben der Griechen respektive ihres Staatsapparates und seiner Beschäftigten über die Verhältnisse, wurde nur möglich durch die fortwährenden Kredite vor allem deutscher und französischer Institute. Deren Politik steht allerdings wiederum nicht auf dem Prüfstand.

Bei der Griechenlandkrise haben wir es mit einer Raubkopie der Weltwirtschaftskrise zu tun. Die zu beobachtende Handlung entspricht einem Kriminalstück, bei dem es um schweren Betrug geht und dessen Folgen immer in die gleiche Richtung deuten. Die spannende Frage bleibt, wann Demagogen wie Täter endlich auffliegen.