Jimi Hendrix. Message From Nine To The Universe
Es ist kein Geheimnis mehr, dass Jimi Hendrix in den letzten 1 ½ Jahren seines Lebens engen Kontakt zu Miles Davis pflegte und die beiden oft in Hendrix Wohnung in Greenwich Village zu jammen pflegten. Was dabei entstand, weiß bis heute niemand. Seitens Miles Davis gab es Pläne, ein Projekt mit Hendrix in Angriff zu nehmen. Obwohl es nicht mehr dazu kam, kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie es wohl geklungen hätte, wenn man sich die späten Aufnahmen von Davies anhört, z.B. Amandla oder doo-bop, in denen Davis verschiedene Ausnahmegitarristen des Electric Blues in sein Konzept mit aufnahm und sie durch Marcus Miller am Bass komplettierte. Von Hendrix selbst gab es lange keine Zeugnisse aus dieser letzten, wohl spannendsten Periode. Nun kommt eine CD auf den deutschen Markt, die seit 2006 bereits in Großbritannien erhältlich ist und Studio-Sessions zwischen März 1969 und März 1970 beinhaltet.
Wichtig ist, dass man im Kopf behalten muss, dass es sich um Versuche handelt, sich einem neuen, für Hendrix unbekannten Genre zu nähern. Die Aufnahmen sind fernab von den damaligen Konzeptalben und waren wohl auch für keine Öffentlichkeit bestimmt. Desto atemberaubender ist es, sich diese Perspektive, zu deren Entwicklung es nicht mehr kam, akustisch zu Gemüte zu führen. Schnell merkt man, dass es sich sehr von den bekannten Kompositionen Hendrix unterscheidet und der Electric Blues und der Rock dem binären Rhythmus des Jazz weichen mussten. Die erste Etüde, nachdem die CD benannt ist, Nine From The Universe, ist eine filigrane Übung, die gleich mit einem Funkrhythmus daherkommt und zeigt, wie sehr Hendrix schon an die später entwickelte Schlagtechnik dieses Genres herangekommen war. Mit Young/Hendrix Jam kommt die damals im Jazz und vor allem von Jimmy Smith kultivierte Hammond Orgel mit ins Spiel und hier werden Linien weiter entwickelt, die bereits auf der dritten Seite des Electric Ladyland Albums anklangen. Die Blues Nummern Easy Blues und Drone Blues sind weitaus differenzierter als das stereotype 2-5-1-Schema des klassischen Genres und damit wiederum eine Referenz and die Blues-Konnotationen des Jazz. Wie in allen Sessions kommt es auch bei dieser Kollektion zu Redundanzen, die keine weitere Erwähnung finden müssen, denn es macht keinen Sinn, die Veröffentlichung von Aufnahmen zu kritisieren, die zeitlebens in sicheren Tresoren verwahrt wurden. Allenfalls Lonely Avenue und Trying To Be seien noch erwähnt, die ihrerseits dokumentieren, dass der ständig Suchende einer neuen Spur auf der Fährte war, die ihn ganz woandershin getragen hätte, als es seine Fangemeinde, die in den klassischen Mustern seiner großen Erfolge zu verhaften drohte, ihm vielleicht zugestanden hätte.
Wer den eben typischen, in der Erinnerung bekannten Hendrix hören möchte, muss sich diese Aufnahmen nicht kennen. Wer das Experimentelle, das Unkonventionelle dieses Gitarristen weiter genießen möchte, der sollte sich diese CD unbedingt öfters anhören. Sie dokumentiert, was es heißt, offen für Neues zu sein.
