Demoskopische Daten und psychedelische Drogen

Von dem ehemaligen sozialdemokratischen Regierungssprecher Helmut Schmidts, Klaus Bölling, stammt der Satz, der damalige FDP-Vorsitzende und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher inhaliere demoskopische Daten wie psychedelische Drogen. Inwieweit diese Behauptung jemals verifiziert werden konnte, ist sekundär. Klar scheint jedoch zu sein, dass das psychische Abhängigkeitsverhältnis von Politikern gegenüber der öffentlichen Meinung im Laufe der Jahrzehnte noch gestiegen ist. Meinungstests und Umfragen werden zu allen möglichen Anlässen durchgeführt und erhoben und je nach Ergebnis lösen diese zuweilen beträchtliche Hektik aus.

Das Tief der gegenwärtigen Bundesregierung in der Wählergunst hat nun dazu geführt, dass die Protagonisten der Regierungsmacht mit verengten Pupillen durch die Berliner Straßen laufen und wie vom Teufel getrieben nach der erste besten Gelegenheit suchen, um sich den Stoff für einen tiefen Zug zu beschaffen. Selbst die Gelegenheitssnifferin aus der Waschmaschine war unterwegs und wurde gleich um die Ecke, an der Kanalpromenade, fündig. Sie schmiss dem Dealer mit dem seltsamen Alpenakzent gleich ihre Handtasche mit dem gesamten Cash entgegen, weil der ihr eine CD bot, mit der sie sich, so glaubte sie, einen richtig tiefen Zug auf dem demoskopischen Drogenhighway beschaffen konnte.

Der Dealer, ein ziemlich abgefuckter Zeitgenosse, der sich gerne seine Opfer in der besser situierten Welt sucht, weil er weiß, dass die allgemeine Wohlstandsverwahrlosung die moralischen wie die rechtlichen Maßstäbe ziemlich angefressen und er deshalb nichts zu befürchten hat, informierte gleich seinen Ring. Prompt laufen dessen Geschäftsfreunde nun auch in den Landeshauptstädten herum und bieten ihre codifizierten Rezepte feil, die den Junkies eine kräftige Prise verschaffen sollen. Durch die Finanzkrise und die Schweigegeldzahlungen an die Hasardeure des Banksystems ziemlich abgebrannt und schon lange ohne Zuspruch lassen diese sich auf Deals ein, die schon das Aroma von Straßenprostitution und Beschaffungskriminalität verströmen. Aber es hilft nichts, sie brauchen Erleichterung, denn der Liebesentzug durch die Wählerschaft treibt sie in den Wahnsinn.

Dass die Häuser, in denen die Junkies wohnen, immer mehr auch hinter der Fassade bröckeln, dass die Wasserleitungen rosten, die Heizungen lecken, die Stromrechnungen nicht bezahlt sind, die Ziegel vom Dach fallen, in die leeren Wohnungen der Verstorbenen keine Jungen mehr einziehen, der Hausmeister die eigenen Mieter überfällt, der Müll zuweilen aus dem Fenster gekippt wird, dem Auto des Nachbarn die Reifen durchstochen werden und es immer wieder zu innerehelicher Gewalt kommt: Das alles scheint nicht mehr zu stören, denn die Suche nach dem alles erlösenden Zug aus der Schnüffeltüte der Wählergunst ist das einzige Motiv, das Gültigkeit besitzt. Da muss man lange räsonieren, um auf eine Strategie zu stoßen, mit der man dieses Desaster noch bekämpfen kann. Da scheint kein Mitleid mehr zu helfen, eher ein konsequentes NO TOLERANCE!