Da haben sie sich gefreut. Am Wochenende. Die Grünen. Denn vor dreißig Jahren, also 1980, hatten sie sich gegründet auf einem Parteitag in Karlsruhe, in der Turnhalle. Die Bilder und Berichte, die dieses Ereignis begleiteten, waren ebenso pittoresk wie die Erscheinung der Partei selbst. In dreißig Jahren, die schnelllebig waren, wie die Zeit so ist, in der wir leben. Neben der gespielten Lustigkeit einer Claudia Roth, die mit einer Lederjacke herumlief, auf der zu lesen war, traue keinem über dreißig, und damit einmal mehr bewies, dass sie über kein Schamgefühl verfügt, welches normalerweise das Altern begleitet und neben einer Rede von CDU-Mitglied und DFB-Boss Theo Zwanziger, die noch das Geistreichste war, was man vernehmen konnte, konnte die Retrospektive nicht ausbleiben.
Die Filmdokumente hinterließen dabei einen bitteren Geschmack. Aus heutiger Sicht, und dieses Privileg sei hier ausdrücklich eingefordert, verhieß das Auftreten der damaligen Dropouts nichts Gutes, man denke an den irren Ökobauern Baldur Springmann, der wohl nie so richtig auf seine soziale Kompatibilität hin begutachtet wurde, aber hinterm Deich wird viel verziehen. Und die Einlassungen einer Petra Kelly, die in Diktion wie Pathos einen paranoiden Dogmatismus an den Tag legte, der nicht nur an die RAF erinnerte, sondern ähnlich fatal wie bei deren Protagonisten auch die spätere Lebenskurve der Kelly und ihres Generals beschreiben sollte. Das war alles eher beklemmend als lustig, das war kein Aufbruch, sondern eher ein Sammelbecken für viele, die der Strömung im Alltag nicht die Stirn bieten mochten oder konnten.
Heikel wurde es, bei all der Feierei und Selbstbeweihräucherung, als auf die Grundideen, den eigentlichen Spirit der Partei hingewiesen wurde. Neben der Ökologie, die auch in den Zwanziger Jahren des XX. Jahrhunderts in allen Schattierungen als politischer Traum Hochkonjunktur gehabt hatte, war da noch der Schutz von Minoritäten, die Freiheit des Individuums und der Frieden. Und da wird das Historisieren dann gefährlich, weil es an eine Selbstinquisition grenzt.
Neben dem notwendigen Schub bei der Betrachtung des Umgangs mit der Natur hat keine Partei derartig erfolgreich dazu beigetragen, den Dogmatismus zu revitalisieren wie die Grünen. Nichts, was nicht durch deren Brille zu einer totalitären Angelegenheit wird, nichts, was das Individuum allein entscheiden könnte und nichts, was nicht durch ein Gesetz, eine Verordnung und die dazu gehörige Bürokratie sanktioniert werden könnte.
Und dann war da noch der Balkankrieg, die erste heiße Teilhabe deutscher Streitkräfte an einem Krieg, in dem nicht der deutsche Boden verteidigt, sondern ein anderes Land zerstört werden sollte. Die moralisch-perfide Rechtfertigung unternahmen die Grünen, Serbien sollte wieder sterbien, neben dem Dogmatismus wurde die Demagogie inthronisiert. Diese Partei war immer ein Akt partikularer Moden, und der Gedanke der Aufklärung wird ihr auch in Zukunft fremd bleiben.
