Dass man in Deutschland mit einem Trauma zu kämpfen hat, wenn es um das Thema Krieg geht, ist nicht verwunderlich. Kaum ein europäisches Volk hat so viele, so verheerende und in ihrer Wirkung so nachhaltige Kriege erfahren wie die Deutschen. Bis in die Poesie hinein hat das Thema uns verfolgt und auf der ganzen Welt werden bis heute die Zeilen Paul Celans zitiert, in denen es heißt: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“
Und je größer der Friedenswunsch wurde, desto stärker bahnte sich der Glaube, in einer Welt, die historisch nie ohne Kriege ausgekommen ist, ein Land zu sein, das von großem Gewicht ist, aber sich aus allem heraushalten kann, das nach Krieg riecht. Dieses Geschenk war vor allem den Westdeutschen nach dem Krieg tatsächlich beschieden, in dem die USA die Rolle der Schutzmacht übernahm und die durchaus auch wirtschaftlich imperialen Interessen des Neuen Deutschland so manches Mal durch den Einsatz von Afro-Amerikanern aus dem Staate Alabama gewährleistet wurden.
Mit der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands ging dieses Privileg jedoch dahin und der Druck in der Welt nahm zu, dass Deutschland innerhalb der Weltgemeinschaft auch militärische Aufgaben wahrzunehmen habe. Den schmutzigen Einstieg letztendlich unternahm die Regierung Schröder-Fischer, als sie sich kurz nach ihrer Wahl durch nachweislich gefälschte, manipulierte und moralinsaure Propaganda darauf vorbereiteten, das Herzstück des Balkans, nämlich Serbien, aus geopolitischen Erwägungen vorerst zu zerstören.
Bei Bushs Irak-Krieg zog man hingegen wieder die Bremse und bei der Niederwerfung der Taliban in Afghanistan fuhr man nur mit, um den zivilen Aufbau zu unterstützen. Letzteres gehörte zu den schlimmen Mystifikationen, die bemüht werden, wenn man vermeiden will, die Wahrheit auszusprechen, nämlich sich in kriegerische Handlungen zu begeben. Das allerdings ist vom ersten Tag an in Afghanistan der Fall und wer tatsächlich glaubte, man schicke Soldaten in dieses Land, um Schulen zu bauen, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Wer die Unwahrheit bemüht, um das Trauma des Krieges nicht zu aktivieren, der muss auch bei Folgehandlungen die falsche Hypothese aufrechterhalten. Die kriegerischen Handlungen, in die die deutschen Soldaten zunehmend in Afghanistan verwickelt werden, werden nun von Deutschland aus wie irrsinnige Abweichungen vom eigentlichen Auftrag behandelt. Dass führt dazu, dass sich der Soldat, der in einen Schusswechsel verwickelt wird, Gedanken darüber machen muss, wie seine Handlungen vom Staatsanwalt in Stuttgart beurteilt werden. So wird aus der Notwendigkeit, politisch zu manövrieren, die Fürsorgepflicht gegenüber denjenigen, die den Kopf hinhalten, aufs gröbste verletzt. Wenn die höchsten Funktionsträger des Staates nicht das Rückrat haben, die Notwendigkeiten staatlichen Handelns mit allen Konsequenzen aufzuzeigen, sind die moralischen Fundamente bereits zerstört.
