Nun sammeln sie sich, die Finanzexperten aus Politik und Öffentlicher Verwaltung, um sich Gedanken darüber zu machen, wie mit der Finanzkrise umgegangen werden kann. Sicher ist, wie immer, dass es die Städte am schlimmsten treffen wird, dann kommen die Länder und zuletzt der Bund. Oder anders herum formuliert, die Kosten für notwendige Aufgaben werden kaskadenförmig herunter gedrückt, von oben nach unten. Aber es gibt noch andere, wesentlich interessantere Aspekte. Es stellt sich nämlich die Frage, inwieweit mit der Verknappung des Geldes in der öffentlichen Hand grundsätzlich umgegangen werden soll. Auch da existieren angeblich probate Instrumente. Namentlich sind das globale Minderausgaben, Personalkosteneinsparungen und dergleichen. Probat ist an ihnen, dass sie seit Jahrzehnten angewendet werden und Politik um kein Stück besser gemacht haben. Insofern stellen sie eine Routine der Einfallslosigkeit dar in einem verschärften Kampf um die knapper werdenden Ressourcen. Es ist leicht, das Budget der jeweiligen Konkurrenz zu skandalisieren, um selber noch im Geschäft zu bleiben. Aber politisch, d.h. im Sinne einer konstruktiven Gestaltung, kommt es einem Offenbarungseid gleich, den Status Quo zu beschneiden, um sich auf die Zukunft vorzubereiten. Gegenwärtig, so bleibt leider zu konstatieren, ist jedoch der politische Offenbarungseid eine Massenerscheinung. Der eigentliche Skandal ist, dass das Resultat von Politik nicht bewertet wird.
Der Mensch und die Gesellschaften, in die er eingewoben ist, sind keine ahistorischen Formationen. Ganz im Gegenteil, das Wesen der Geschichte besteht darin, dass sie vorwärts streben, dass in den Köpfen und kollektiven Vorstellungswelten Ideen darüber existieren, wie die Welt von morgen, in denen die Menschen leben wollen, aussieht, vor allem im Vergleich zur heutigen. Der Status Quo als Vorstellungsgipfel der menschlichen Existenz bedeutete dagegen den Eintritt in die Geschichtslosigkeit, oder, anders mit den Worten eines Dialektikers ausgedrückt: Die Grundform allen Daseins ist die Bewegung.
Es wird deutlich, was wir von den Paketen zu halten haben, die da momentan unter dem Deckmantel des Realismus oder des Pragmatismus geschnürt werden. Sofern es sich tatsächlich um strategielose Programme handelt, d.h. sofern sie keine Überlegung darüber beinhalten, wie etwas in der Zukunft anders gemacht, gesteuert und gestaltet werden soll, wie sich die beteiligten Menschen entwickeln und besser befähigen müssen, um das auch vollbringen zu können, sofern das alles nicht gegeben ist, handelt es sich um ein Besteck, das den Eintritt in die Geschichtslosigkeit beschleunigen wird.
Die Gesellschaften dieser Welt haben sich schon immer ungleichmäßig entwickelt, manche hungrig, voller Ideen, dynamisch, mit dem Blick nach vorn, andere auf das Jetzt bezogen, satt, phantasielos und phlegmatisch. Das Wesen des existenziellen Phlegmas sehen wir hierzulande als den Normalzustand, was schon die eine oder andere depressive Stimmung aufkommen lassen kann. Aber wir sollten uns davon nicht beeindrucken lassen, denn, wir wissen, wer standhalten will, darf nicht verharren in leerem Entsetzen.
