Mit Dubai geht einer der ersten auf Ölressourcen basierenden Sklavenhaltergesellschaft das Geld aus. Zahlungsunfähig seien sie, so reklamieren die Regisseure einer der trügerischsten Finanz Fata Morganas der letzten Jahre. Allzu sehr konnten sie blenden mit ihren der Form des Palmbaums nachempfundenen Luxusanlagen, die auf Sand ins Meer gebaut wurden. Ein Trug und ein Ansinnen, dass selbst Allah in hohem Maße betrübt hätte, konnte die Börsenzocker in der westlichen Welt jedoch nicht davon abhalten, den prosperierenden Mittelstand und die neureichen Parvenüs dazu zu verleiten, ihre Pfunde, Dollars und Euros in eine stil überbordende Plastikwelt zu werfen, die nun droht, geräuschlos und ohne welthistorisches Pathos auf den Grund des Meeres zurück zu kehren und selbst von den Haien verschmäht zu werden.
Dubai, dieses auf einer Monokultur bei den Ressourcen wie der Herrscherclique basierende Phänomen, diese nur von der Fassade her moderne Gesellschaft, deren einzige Produktivkraft Sklaven aus Asien und Afrika waren, die unter unwürdigen und entsetzlichen Bedingungen den Müßiggängern aus den Öldynastien die Welt am Laufen hielten, dieses Dubai nun glaubte, die Welt der Börse in die Wüste holen zu können. Doch die Börse, in der es um die Bewertung von Realem und seinen Entwicklungschancen geht, kam so wenig, wie es dort Reales und Zukunftsträchtiges gibt. Was den Verlockungen der Spekulation folgte, war genauso unseriös und windig, wie das, was als Magnet fungieren sollte. Die Krone der flimmernden Illusion, eine Holding namens Dubai World, meldete nach dem Ausbleiben weiterer Gelder von in der Hochspekulation gescheiterten Zockern eine Zahlungsunfähigkeit in der Dimension von 40 Milliarden US Dollar an, was prompt auf den internationalen Finanzmärkten zu erneuten Erschütterungen geführt hat.
Wie schon in der Vergangenheit fielen leider die britischen Broker durch eine sehr starke Verflechtung in den Gewächsen der unseriösen Hochspekulation auf. Allein die Royal Bank of Scotland schlug mit Außenständen von 2 Milliarden US Dollar auf den harten Grund der Küstenfelsen auf, gefolgt von der HSBC, Standard Chartered und Lloyds, sodass allein in Großbritannien ein Verlust von ca. fünf Milliarden US Dollar zu Buche schlugen. Die Höhe des Schadens, der über die Vermittlung der Londoner Börse entstand, mag wie ein Fiebermesser dafür gelten, inwieweit der berühmte angelsächsische Realitätssinn und Pragmatismus aus der Welt gedrängt wurde, von verführerischen Namen wie Dubai World oder ihrem Immobilienderivat, Limitless World.
Was den stets zur Rechenerotik neigenden Briten zum Schaden gereichte, reiht sich ein in das Bild einer derzeitig global existierenden jeunesse monetaire, die sich orientiert an Illusion und Versprechen, und nicht an Arbeit und Wert. Dabei geht sie Liaisons ein, die doch arg an Hofmannsthals Tod im Jedermann erinnern:
Wie, hat dich Narren wollen bedünken
Das Erdengut und dies dein Leben
Wäre dir alles zu eigen gegeben?
