Allenthalben wird in unseren Tagen vom Wandel gesprochen. Er bezieht sich auf alle Sphären des Lebens, die Nutzung von Instrumenten in der täglichen Organisation unseres Daseins, aber auch die Organisation und Gestaltung der Arbeit. In dem auch verfilmten Roman Der Eisturm von Rick Moody beginnt das erste Kapitel mit einer kurzen Einführung für Leserinnen und Leser, die erst in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurden und es wird informiert, dass es im Jahre der Handlung, die ebenfalls in den siebziger Jahren spielt, noch Schallplatten gab, noch keine Mikrowellen, keine Handys, keine kabellose Fernbedienung, in Privathaushalten noch keine Computer und vieles mehr. Bei der Lektüre wird bewusst, wie sehr der wissenschaftlich-technische Fortschritt allein die private Lebenssphäre revolutioniert hat. Sieht man Filme aus dieser Zeit zusammen mit Vertretern der jüngeren Generation, so kann man beobachten, dass diese die Langatmigkeit der Dialoge und Handlungen selbst physisch kaum aushalten. Die technische Beschleunigung hat zweifellos unser Dasein gravierend verändert.
Seit der Erkenntnis um die allgemeine Akzeleration der Lebens- und Arbeitsprozesse hat sich der Begriff des Change Management etabliert. Vor allem in der Arbeitswelt war bis zur Jahrtausendwende damit gemeint, besondere Formen zu finden, mit denen die Anpassung der Verhältnisse an eine zumeist technische Innovation bewerkstelligt werden kann. Die allgemeine, permanente, technische und meist instrumentelle Innovation ist im Laufe der letzten Jahrzehnte jedoch zu etwas geworden, das man aus der Perspektive der Statik nicht mehr beurteilen kann. Die Anpassung der täglichen Routinen an eine Erneuerung ist zum Dauerzustand geworden. Dieses zu erkennen, ist für viele ein schmerzhafter Prozess, aber die Quintessenz lässt sich davon nicht mehr beeinflussen: Die andauernde technische Erneuerung, die alle Lebensbereiche durchdringt, ist zum Dauerzustand, sprich zum Alltag geworden.
Die technische Innovation ihrerseits beschleunigt in der Regel die Prozesse, sie muss deshalb aber nicht unbedingt modern sein. Patriarchalisches Denken existiert auch in High-Tech-Betrieben, schlechte Unterhaltung mit rückständigen Botschaften erreicht uns auch über das Satellitenfernsehen, und der rein technische Zugang zu allen erdenklichen Informationen führt nicht unbedingt zu einem strukturierten Denken. Die technische Moderne ist zum Alltag geworden, aber sie hat nicht notwendig dazu geführt, dass sich das Denken modernisiert hat. Das, was sich heute als Change Management begreift, befasst sich aber gerade mit dieser Frage. Es geht nicht mehr um alltägliche Fragen, wie ich eine technische Innovation in Routineabläufe integriere, sondern darum, welche qualitativen Notwendigkeiten durch eine Veränderung erreichen werden sollen und wie es gelingen kann, die Köpfe derer, die in dem Prozess eine Rolle spielen, dahin zu bringen, das Ganze auch neu zu denken. Zur Jahrtausendwende sprach man oft von einem Paradigmenwechsel. Es war die Trennlinie vom technischen zum semantischen Change. Die technische Anpassung an unsere Lebenswelt ist der Alltag, das kognitive Erfassen dessen, was dort passiert und der Versuch, die Prozesse neu zu denken und zu steuern, das ist das Moderne.
