Eigenartige Begriffe schleichen sich in die öffentliche Diskussion. Niemand weiß bis dato so recht, was sie bedeuten. Irgendwo zwischen Altbekanntem tauchen sie plötzlich auf und tragen zur allgemeinen Verunsicherung bei, die ihrerseits ein Dauerzustand geworden ist. Das Auftauchen neuer Begrifflichkeiten folgt gewöhnlich einem Schema. Zunächst sind sie plötzlich da, weil irgendeine exponierte Person sie benutzt hat, andere verwenden sie dann auch. In einer nächsten Phase nähert sich die Öffentlichkeit ihrer Bedeutung an, zumeist wird zunächst auch von konkurrierenden Interessengruppen darum gerungen, wer die so genannte Bedeutungshoheit erlangt. Das heißt, welches von Interessen geleitete System bestimmt, was mit dem neuen Begriff gemeint ist. Manchmal schaffen es neue Begriffe auch nicht, weil sie zu artifiziell sind, nur der Propaganda dienen, einer Mode folgen oder eigentlich nichts aussagen und somit nicht weiter helfen.
Ein gescheiterter Begriff war das Prekariat, der ausdrücken sollte, dass Menschen, die durch das soziale Netz fallen oder nur an einer letzten Faser desselben hängen bleiben, in unzumutbaren Verhältnissen existieren müssen. Natürlich sind solche Verhältnisse misslich, schwierig und heikel, was mit dem Adjektiv prekär beschrieben wird, aber die Intention war, das Heikle zu dramatisieren, was sich durch die Einführung eines neuen Begriffs nicht realisierte.
Richtige Schwergewichte neuer Begrifflichkeiten sind dagegen die der Inklusion und der positiven Diskriminierung. Sie signalisieren eine neue Denkweise mit extrem ausgeprägten politischen Konsequenzen. Die positive Diskriminierung bedeutet, dass bestimmte Eigenschaften oder Neigungen, Veranlagungen oder Handicaps von Menschen, die jenseits des Durchschnitts liegen und gewöhnlich dazu führen, dass diese Menschen oder Gruppen gesellschaftliche Nachteile erleben, besonders behandelt werden, um eben die eigentliche Diskriminierung zu verhindern. In der Pädagogik und Psychologie ist eine derartige Negation eines zunächst negativen Begriffs nichts Außergewöhnliches. Verwendet in der öffentlichen, politisch geführten Diskussion, wird es schwierig sein, große Missverständnisse zu vermeiden. Die Inklusion basiert eigentlich auf der positiven Diskriminierung, geht aber weiter, weil sie das Verständnis, welches der positiven Diskriminierung zugrunde liegt, generalisiert. Die Inklusion bringt alles mit, um begrifflich ein neues Zeitalter einzuläuten.
Rein etymologisch bedeutet Inklusion nichts anderes als Einschluss, oder Enthalten Sein. In der gegenwärtigen Anwendung ist damit gemeint, dass es als Anspruch formuliert wird, keinen Menschen, der die normativen Erfordernisse, die an ihn gestellt werden, nicht erfüllt, verloren zu geben. Das bedeutet, dass die nicht ausreichenden standardisierten Verfahren der Bildungssozialisation, die nicht geeignet sind, diese Menschen mitzunehmen, um hoch individualisierte Angebote erweitert werden müssen. Die Pädagogik steht damit vor einer Revolution, und sollte der Begriff es bis in die Sphären der politischen Philosophie schaffen, wird auch das politische Denken eine Revolutionierung erfahren.
