Das Dar al-Islam in Südostasien

Die globalen Auseinandersetzungen zwischen der traditionell westlichen Hemisphäre mit einer mehrheitlich christlichen Wertesozialisation und den islamischen Ländern auf der östlichen Halbkugel ist historisch gesehen eine Abfolge von Zerstörung und Symbiose. Ja, es gab Blütezeiten beider Zivilisationen, die stets dadurch zustande kamen, dass die dominierende neben essenzieller Stärke durch Aufklärung und Toleranz brillierte. Nicht die mächtigen Apparate ließen christliche oder muslimische Epochen glänzen, sondern Geist und Wissenschaft, Künste und Vielfalt. Schon vor dem 11. September 2001 konnte auf beiden Seiten von keiner intellektuell-kulturellen Blühte die Rede sein. Es ging um geopolitische und wirtschaftliche Vormachtstellungen, um Hegemonie im schlechten Sinne. Die Attacken auf New York City haben die Ausgangslage für eine von beiden getragene Konkordanz nicht leichter gemacht.

Im Gegenteil, die Simplifizierungs- und Polarisierungspolitik George W. Bushs hat dazu beigetragen, die Regionen des Weltislam zu attraktivieren, die per se sozial und politisch problematisch sind, die jenseits ihrer zivilisatorischen Zugehörigkeit aufgrund ihrer wirtschaftlichen Monokulturen wie Öl oder Drogen zu gewaltsamen Verteilungskonflikten prädestiniert sind. Konfliktherde wie Afghanistan und die Grenzgebiete Pakistans werden subventioniert mit arabischen Petrodollars, die aber auch in die US-Ökonomie fließen und ein entschiedenes Vorgehen verhindern. Die arabischen Staaten sunnitischen Glaubens haben wiederum mit dem schiitischen Persien ein Problem und gut beraten sind die westlichen Politiker, die in derartigen Konflikten nicht als Experten auftreten.

Doch das Dar al-Islam, das Haus des Islam, wie Nationen genannt werden, die von Muslimen dominiert werden, hat auch noch andere Lagen auf dieser Welt. Die momentan unbemerkte, eher ignorierte ist die in Südostasien, wo insgesamt 250 Millionen Muslime leben, neben Thailand (ca. 6 Millionen) und Malaysia (ca. 20 Millionen) allein 220 Millionen in Indonesien. Letzteres taucht in den Nachrichten auf, wenn ein amerikanisches Hotel in die Luft fliegt, aber nicht, wenn ein demokratisch gewählter Präsident wie Bambang Susilo Yudhoyono zum zweiten Mal in freien, gleichen und geheimen Wahlen mit einer Wahlbeteiligung von über 80 Prozent im Amt bestätigt wird, der islamistischen Terror im eigenen Land bekämpft, rigoros gegen Korruption vorgeht und die in der Verfassung verbürgte Religionsfreiheit verteidigt.

Nach dem Börsencrash Ende der neunziger Jahre trifft die jetzige Weltfinanzkrise Südostasien das zweite Mal in kurzer Zeit und es sind die wirtschaftlichen Nöte, die diese Länder gefährden für Interventionen aus der arabischen Welt, um aus friedlichen, sehr toleranten Muslimen islamistische Rekruten zu machen. Es ist höchste Zeit, die Region zu stützen. US-Präsident Barack Obama, der als Kind einige Jahre in Indonesien die Schule besuchte, hat sich noch in diesem Jahr zu einem Besuch angekündigt. Er hat alle Chancen, das böse Attribut des „Orang sombong“ des arroganten Amerikaners zu korrigieren. Es geht um Kooperationen jenseits der großen Symbole, die den destruktiven Kräften die größten Verluste bereiten können.