Die Zeichen mehren sich, dass es das Kuba, was wir über Jahrzehnte als eine stabile Größe in der Weltpolitik erlebt haben, nicht mehr lange geben wird. Seit dem Amtsantritt Barack Obamas kommen nicht nur neue Avancen aus den USA, sondern auch andere, natürliche Interessen Richtung Lateinamerika beginnen sich neu zu organisieren. Zentrum einer geänderten Kubapolitik bleiben jedoch die USA mit ihrem neuen Präsidenten. Die Art und Weise, wie Obama und Clinton in den letzten Tagen auf den Iran zugegangen sind, können als Blaupause für die neue Strategie gegenüber der Insel des karibischen Sozialismus gelesen werden.
Der US-Präsident machte schon während seines Wahlkampfes im Jahr 2008 klar, dass er die Kubapolitik der letzten fünf Jahrzehnte seitens der USA für verfehlt hielt. Kalt und pragmatisch hatte er Maßnahmen wie das Handelembargo, die Reiserestriktionen für Exilkubaner und das Reiseverbot für US-Bürger sowie den betriebenen Isolationismus auf ihre Wirkung überprüft und für untauglich befunden.
Und so ist es nur konsequent, dass das Reiseverbot für Exilkubaner wie für amerikanische Staatsbürger bald fallen wird, letzteres wird bereits von einer Gesetzesinitiative von Demokraten wie Republikanern versucht außer Kraft zu setzen. Zudem hat Obama bei seinem Treffen mit Brasiliens Staatspräsidenten Lula da Silva die Züge einer neuen US-Lateinamerikapolitik dargelegt. In ihr ist kein Platz mehr für die Diskriminierung Kubas par excellence. Das Kalkül, welches dahinter steckt, bezieht sich auf die geänderten Verhältnisse auf der Insel selbst, die gekennzeichnet sind durch einen bevorstehenden Generationenwechsel.
Fidel Castros offizieller Rücktritt im Jahr 2008 und die Übergabe der Amtsgeschäfte an seinen Bruder Raúl haben eher eine aufschiebende Wirkung, das Nachrücken einer jüngeren Generation von Funktionären dürfte in den nächsten Jahren bevorstehen. Letztere zeichnet sich auch durch ideologische Festigkeit aus, aber ihr fehlt die große anti-amerikanische Emotion der Alten, die die Folterkammern der Diktatur und die Schmach der Bordell- und Casinoinsel noch in aller Intensität erlebt haben. Die Nachrücker gelten als pragmatischer und die jüngere Bevölkerung, die längst die Mehrheit ausmacht, will sich selbst ein Bild machen, d.h. sie strebt nach Reisefreiheit, eben auch und vor allem in die USA.
An diesem Punkt setzt Obama an und er hat sehr gute Chancen, das jetzige Modell Kuba bald in die Geschichtsbücher verbannt zu haben. Was Giftcocktails, infizierte Tauchanzüge, Heckenschützen und ausfallende Motoren nicht zustande gebracht haben, wird durch eine Politik des freien Handels, der Reisefreiheit und der aktiven Einbeziehung in die regionalen Staatenbündnisse wohl eher gelingen. So wird es keine militärische Gewalt, sondern ein Todeskuss sein, der die letzte große Revolutionsromanze dahin schmelzen lassen wird.
Die EU hat übrigens sein Mitgliedsland Spanien, ihren Korridor nach Lateinamerika, dazu aufgefordert, zu sondieren, inwieweit man sich durch eine aggressiv positivere Politik gegenüber Kuba profilieren könne. Spätestens bei einer solchen Meldung sollte man gehörig die Ohren spitzen.
