Die Talfahrt der Eliten

Nun konnten wir wieder alle lesen, was wir bereits wussten: Viele Manager benehmen sich in der Finanzkrise, die maßgeblich mit durch das Verhalten von Managern aus der Finanzbranche forciert wurde so, als hätten sie mit der Krise nichts zu tun. Die Manager der Dresdner Bank, die im Jahr 2008 ein Defizit von mehr als sechs Milliarden verbuchen musste, bewilligten sich 58 Millionen Euro für Boni und Abfindungen. Genau genommen neun dieser Herren. Betrachtet man die Tatsache, dass selbiges Institut aus Steuermitteln gestützt wurde, so haben die Geschädigten der Krise, die in Zukunft durch ihr Steueraufkommen wegen der Krise noch besonders belangt werden, auch noch das Versagen mit belohnt.

Die Wut darüber geht sogar bis in die Parteien, die die Stützungsaktionen mit beschlossen haben. Das kann man sogar glauben und, mehr noch, auch verstehen. Nur sind sie leider auch ein Zeichen der Ohnmacht. Seit der Krise gibt es kaum ein Beispiel dafür, dass die Manager, die an dem Krisenkonstrukt mit verantwortlich zeichnen, in irgend einer Weise eine Art Selbstkritik übten. Der einzige, der dies tat, war der Unternehmer Merkle, der das Ausmaß seiner eigenen Schuld nicht mehr ertrug und sich das Leben nahm. Von angestellten Managern ist kein Beispiel bekannt. Gegenteilige Dreistigkeiten und Impertinenzen stehen jeden Tag in der Zeitung, von Zumwinkel bis zur Dresdner Bank kommt einem das kalte Grauen.

Nun gibt es viele Spekulationen darüber, woran es liegen mag, dass diese so gut bezahlten und mächtigen Funktionäre sich aus der Verantwortung stehlen. Sicher hat es in großem Maße damit zu tun, dass sie nicht mehr die natürlichen Repräsentanten dieser Unternehmen sind, denn dort, wo dieses der Fall ist, wie bei den meisten mittelständischen Unternehmen, findet man in diesen Tagen zahlreiche, sehr bewegende Beispiele dafür, wie verantwortungsvoll man in der Krise mit seiner Aufgabe umgehen kann und wie sehr man von lieb Gewonnenem Abschied nimmt, um Arbeitsplätze zu retten und Verpflichtungen nachzukommen.

Im großen Stil jedoch erlebt man jedoch einen rasanten Niedergang der Eliten, die sich die Backen voll stopfen und sich einen Dreck darum scheren, was aus ihren Wirtschaftsorganisationen wird oder wie sich ihr Verhalten auf den gesellschaftlichen Umgang mit der Krise auswirkt. So generieren sie eine Stimmung, die sehr schnell zum Pulverfass werden kann, weil diejenigen, die Haus, Hof oder Job verlieren, die Welt nicht mehr verstehen und irgendwann ihre anerzogene Mäßigung nicht mehr einsehen werden. Entweder sie lernen dahin gehend, dass sie auch rücksichtslos werden und zur vermeintlichen Selbsthilfe greifen, was verheerend wäre, oder sie werden aufbegehren und rebellisch, was nicht nur verständlich, sondern angesichts derartiger Beispiele auch bitter nötig ist.

Ein typisches Merkmal für Staaten der Dritten Welt oder Schwellenländer ist eine strukturelle Machtlosigkeit ihrer Staatswesen, sich gegen die Verkommenheit ihrer Eliten zu wehren. Meist zahlen diese keine Steuern und saugen an den wenigen Quellen der nationalen Reichtümer, ohne sich für die Entwicklung des Gemeinwesens zu interessieren. Stattdessen ignorieren sie das mühevoll aufgebaute Rechtssystem und die Bemühungen, das Leichengift der Korruption zu bekämpfen. So gesehen, sind wir auf dem besten Weg, uns aus der errungenen Zivilisation zu verabschieden. Unsere Eliten jedenfalls sind zu einem Teil schon Banana Republic!

Ein Gedanke zu „Die Talfahrt der Eliten

  1. Avatar von krismonkrismon

    wir sind sogar noch weiter als die so genannten schwellenländer: bei uns investiert der staat in verantwortliche, die ein unternehmen an die wand gefahren haben und belohnt damit genau dieses fehlverhalten – es scheint also erwünscht zu sein.

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