Was, bitte schön, ist davon zu halten, wenn der amtierende Wirtschaftsminister der Republik in der größten Weltwirtschaftskrise seit 1929 vor laufende Kameras tritt und erklärt, er habe eigentlich schon lange keine Lust mehr, würde bald 65 und wolle dann sowieso nicht mehr Minister sein? Und was, geliebtes Publikum, sollen wir davon halten, wenn die Gouvernante der Nation dem Phlegmabuben zur Antwort gibt, das Leben sei kein Wunschkonzert und er solle seine Backen mal bis zur Bundestagswahl zusammenpetzen? Und was, verzweifelte Zeitzeugen, sollen wir davon denken, dass der bayrische Parteichef es ebenso ablehnt, den weinenden Franken ziehen zu lassen.
Im Grunde ist der nunmehr ehemalige Wirtschaftsminister ein ehrlicher Mann. Eigentlich wollte er dieses Ressort bei der Bildung der Bundesregierung gar nicht übernehmen, aber er gab sich aus Parteitreue dazu her, weil der Stoibers Edmund schnell noch über den Zaun gesprungen war, als es zum Schwur kommen sollte. Kaum im Amt, wurde er Zeuge, wie mehr und mehr Macht aus dem Wirtschafts- in das Finanzressort wanderte und wehren konnte er sich nicht so recht, weil alle es so wollten.
Als dann die große Krise ausbrach, merkelten viele aus den eigenen Reihen an ihm herum, als habe er, der Wirtschaftsminister, die ganze Misere selbst inszeniert. Dass sie ihm vorhielten, ihm fiele nichts ein, musste er wie einen ganz schlechten Witz erleben, denn eigentlich fiel ja keinem etwas Vernünftiges ein. Und sein Pendant aus dem Finanzministerium brachte mit Rückendeckung der abgetauchten Gouvernante gar die ganze Republik ins Wanken.
Er, der Wirtschaftsminister, war tatsächlich der einzige, der in dem ganzen Tohuwabohu noch die Courage hatte, bestimmte Wahrheiten zu formulieren. So hatte er dem Mittelstand die Leviten gelesen, weil dessen Spekulationsgier und sonstige Habsucht die Mentalität generiert habe, die die Krise erst möglich gemacht habe. Und ebenfalls der Wirtschaftsminister war der einzige, der davor warnte, marode Banken mit Steuergeldern sanieren zu wollen und vernünftigerweise dazu riet, sie krepieren zu lassen.
Währenddessen blies der Finanzminister die Milliarden nur so in die Luft, mit einem Betrag, der an den gesamten Wiedervereinigungsaufwand reicht, wurden Banken bedacht, die es Ende des Jahres nicht mehr geben wird. Mit diesen Geldern hätte das Land eine Infrastruktur schaffen können, die zur Weltspitze gereicht hätte und eine Bildungsreform finanzieren können, deren Resultate die Besuche von Fachdelegationen aus Finnland und Singapur in unser Land hätte nicht mehr abreißen lassen. Stattdessen warf man in dem grandiosesten Verschuldungsakt der Republikgeschichte mediokren Couponschneidern die Zukunft unseres Gemeinwesens vor die Füße.
Dass der Wirtschaftsminister da nicht mehr wollte, lässt sich verstehen, dass er es mit seinem ach so fränkischen Lamento vorbrachte, das war nicht in Ordnung, da hätte er doch anklagen sollen, weil das bitter notwendig gewesen wäre. Der Neue nun ist jung und versteht von Wirtschaft gar nichts, insofern passt er besser zur Regierung. Davon hat er auch schon eine Kostprobe gegeben, indem er sagte, die Krise sei ein absolutes Novum, da gebe es keine probaten Mittel, sondern da müsse man den gesunden Menschenverstand bemühen. Das ist die schlimmste Drohung, die so einer aussprechen kann und ich rate schon allen, sich auf den Boden zu werfen und schützend die Arme über den Kopf zu legen!
