Mit dem stolzen Ausruf Chimurenga, dem Shona-Begriff für den Kampf, intonierte die Bevölkerung der damaligen Britischen Kolonie Rhodesien bereits in den Jahren 1896/97 ihren ersten bewaffneten Aufstand. Nach dessen Niederschlagung sollten fast 70 Jahre vergehen, bis der Schlachtruf Chimurenga wieder über dem Land erschallte. Diesmal wandte sich eine Guerrilla, die den Namen Befreiungsfront trug, unter den Führern Mugabe für die ZANU und Nkomo für die ZAPU gegen die Regierung des letzten weißen Präsidenten Ian Smith, der für Siedlermentalität und Rassenherrschaft stand. Der Kampf der Guerilla dauerte insgesamt 13 Jahre, von 1966 – 1979, bis das Land Rhodesien der Geschichte angehörte und ein neues, unabhängiges Zimbabwe am afrikanischen Horizont erstrahlte.
Die Befreiungsbewegung Zimbabwes hatte bis in die europäische Studenten- und Intellektuellenbewegung hinein große Sympathie und großen Einfluss gewonnen, weil sie eine Programmatik verfolgte, die sich vom mentalen Revanchismus vieler anderer anti-kolonialer Bewegungen wohltuend unterschied. Vor allem Robert Mugabe war es, der darauf hinwies, dass das Ziel nicht die Vertreibung der weißen Siedler sei, sondern deren Integration. So stand im Zentrum eine Landreform, die das Land der Geflohenen neu verteilte. Diejenigen Weißen, die blieben, konnten ihr Land behalten und weiter bewirtschaften. Während Zimbabwe nach der Befreiung wirtschaftlich weiter gut da stand, folgten eine breit angelegte Bildungsreform und mit ihr ein viel versprechender Aufschwung der jungen Demokratie.
Als Wendepunkt kann aus heutiger Sicht der eigenartige Niedergang Nkomos gelten, bis zum Sieg Mugabes Partner, dann jedoch dessen Konkurrent. Mugabes Machthunger löste die ersten Zwistigkeiten zwischen den Volksgruppen der Shona (ZANU) und Ndebele (ZAPU) aus, die kurze Einheit der neuen Nation gehörte der Vergangenheit an. Mit der folgenden Majorisierung der Regierungsämter durch die Shona einher gingen die ersten Kampagnen gegen die gebliebenen weißen Siedler, es folgten systematische Einschüchterungen und die ersten Enteignungen. Präsident Mugabe begann, das Militär immer näher um sich zu scharen und schaffte es, in nur einem Jahrzehnt die Demokratie zu einer präsidialen Legitimations- und Akklamationsmaschine herunter zu wirtschaften.
Schon in den neunziger Jahren lag Zimbabwe wirtschaftlich am Boden, die politische Entwicklung zu einem korrupten Regime unter dem Alleinherrscher Mugabe setzte sich fort und das Land verlor seine besten Kräfte durch Terror und die sich entsetzlich ausbreitende Infektionswelle von AIDS. Sich immer wieder etablierende oppositionelle Bewegungen wurden durch den Einsatz krimineller Killerkommandos niedergeschlagen. Die verheerende Entwicklung des Landes zu einem Armenhaus ohne Perspektive setzte sich fort bis in die heutigen Tage, die letzten Wahlen im Jahr 2008 brachten einen neuen, starken Oppositionsführer, Morgan Tsvangirai, hervor, der seitdem mit Mugabe über eine wie auch immer geartete Regierung verhandelt.
Derweil wird das Land von der Cholera heimgesucht und es scheint, als seien AIDS und Cholera die beiden epidemischen Metaphern, die sich aufdrängen, um einen Guerillero, der auszog, um das Land zu befreien, zu einem alten, korrupten und entmenschlichten Diktator zu beschreiben.
