Die Renaissance der Ideologie des staatsmonopolistischen Kapitalismus in der Bundesrepublik ist seit der öffentlichen Diskussion über Strategien gegen die Krise nicht mehr zu übersehen. Die Große Koalition, ein Gemisch aus chruschtschowscher Vorstellung des Staates als Synonym für das Volk und sozialdemokratischer Romantik aus Zeiten der bismarckschen Sozialgesetzgebung, legt täglich noch eins drauf: Zuerst ein Fünfhundertmilliardenschutzschild für die Banken, dann Bürgschaften für Hasardeure aus der Wirtschaft, dann Teilverstaatlichung von Privatbanken und nun wird der nächste Schlag gegen die Marktwirtschaft vorbereitet, die Verstaatlichung von Privatunternehmen.
Die gegenwärtige Weltfinanz- und Weltwirtschaftskrise weist strukturell nicht unbedingt gravierend neue Züge auf. Sie ist eine zyklische Krise des freien Weltmarktes und der wachsenden Möglichkeit, virtuelle Geschäfte börsenwirksam zu vollziehen. Ihre Auswirkungen sind alles andere als schön und für diejenigen, die durch den Verlust ihres Vermögens oder ihres Arbeitsplatzes davon betroffen sind, ist die Krise auch nicht lustig. Und ein Staat, der seine Bürgerinnen und Bürger ernst nimmt, sollte in solchen Zeiten sicherlich initiativ werden.
Das zu beobachtende Problem ist nur, dass der bundesrepublikanische Staat mit der Attitüde der Ablehnung der Marktgesetze sich jetzt als Retter aufzuspielen geriert, und mit der hemmungslosen Verstaatlichung der Bürgerschaft eine Hypothek aufbürdet, die schlimmer als die jetzige Krise zu werden droht, wenn die Volkseigenen Betriebe, die jetzt unter moderner Flagge Richtung Weltmeere steuern, aufgrund ihrer Navigationsunfähigkeit am erst besten Riff des Konkurrenzkampfes zerschellen werden.
Es war schon immer schwer in Deutschland, sich mit Begabung, Ausdauer, Initiative, Disziplin und Kreativität durchzusetzen. Menschen mit diesen Eigenschaften sind der grauen, mediokren Masse sogar suspekt. Jemand, der ehrgeizig ist und sich auszeichnet, ist ein emotionaler Feind, dem es erst einmal besorgt werden muss, dem man das Leben schwer macht und der erst eine Chance bekommt, wenn er für alle sichtbar lädiert ist. Warum dass so ist, mögen Psychologen beurteilen, die sich an eine Fortschreibung der Massenpsychologie machen. Dass es so ist, bestätigen all jene, vor allem jungen Leute, die sich zur Auswanderung entschließen und ihr Glück in der freien Welt versuchen.
Die Ideologie der Verstaatlichung wird neben dem wirtschaftlichen Desaster noch bewerkstelligen, dass der Bewegungsspielraum für die freien Geister in diesem Land enger wird. In Zeiten, in denen das Mainstreamgardemaß eine blendende Karriere in einem Staatsbetrieb verspricht, werden sich die Luftschiffe wieder füllen mit jungen Deutschen, die skurrile Ideen oder sonderliche Fähigkeiten haben. Und sie werden sich in anderen Ländern versuchen, und nicht wenige werden reüssieren. Und im Land ihrer Herkunft wird man sich an die Brust klopfen und damit prahlen, wie viele Deutsche die Welt mit ihrer Genialität beglückt haben. Dann geht es aber auch wieder zurück zur Schicht, in den VEB Dunkle Ahnung.
