Es kam, wie es kommen musste, nachdem die Hamas bei den letzten Parlamentswahlen im Gazastreifen die Mehrheit für sich gewonnen hatten, bereiteten sie zielgerichtet neue Attacken gegen Israel vor. Pünktlich zum Jahreswechsel dann feuerten sie Raketen auf israelisches Gebiet ab. Mit einer Reichweite von mehr als 30 Kilometer in israelisches Territorium hinein war eine neue Dimension der Bedrohung für Israel erschlossen und Gegenschläge ließen nicht lange auf sich warten.
Die Reaktion auf diese Gegenschläge eskalierte in der muslimischen Welt, als bekannt wurde, dass sich unter den Zielen der israelischen Attacken auch eine Moschee befand. Als Faktum an sich lässt eine solche Tatsache sehr wohl Zweifel an dem Fingerspitzengefühl einer Armee zu, bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Perfidie der Hamas keine Grenzen kennt, denn der Vorfall war bewusst inszeniert. Besagte Moschee diente als Waffenlager. Die moralische Legitimation der Hamas hat unter diesem Vorfall genauso gelitten wie die Installierung so genannter menschlicher Schutzschilder, indem Krankenhäuser und Schulen als Zentren der Aggression etabliert werden, ohne den Betrieb einzustellen.
Dass die israelische Armee sich dessen bewusst ist zeigt sich daran, dass jede Attacke mindestens eine halbe Stunde vorher angemeldet wird, mit genauer Angabe des Zeitpunktes und des Ortes. Die Reaktion der Hamas bestand bis jetzt darin, an genau jene Orte Frauen und Kinder zu bringen, um die Kollateralverluste an Zivilisten exorbitant in die Höhe zu treiben. Da stellt sich nur noch rhetorisch das Problem, wem die moralische Entrüstung zu gelten hat.
Letztendlich geht es um die alte Frage, ob Israel wie Palästina als Nation ein Existenzrecht zugestanden wird. Gesteht man ein solches Israel zu, dann hat es ein verbrieftes Recht auf Selbstverteidigung und diese muss mit dem Meer im Rücken stets so konsequent aussehen, wie dieses derzeit zu beobachten ist. Ein freies Palästina hingegen ist nicht nur wegen der Stärke Israels von der Nationenbildung sehr weit entfernt, sondern auch wegen der eigenen desolaten Disposition.
Solange die Begründung einer eigenen Nation mit dem Junktim verknüpft ist, den Nachbarstaat, der zudem zumindest in der abendländischen Hemisphäre fest verankert ist, ist die Hypothek schon sehr hoch. Kommt noch hinzu, wie seit Jahrzehnten zu beobachten, sich durch die vermeintliche Fürsprache Dritter instrumentalisieren zu lassen, wie durch die Hamas, die Hisbollah, den Iran, Syrien, Jordanien oder arabische Wüstenstaaten, dann ist die Existenz als Geisel gesicherter als die einer freien Nation. Und dieses ist leider wieder geschehen. Palästinenser, die nie eine Waffe in der Hand hatten oder besaßen, zahlen im Gazastreifen derzeit den Zoll für eine hybride Destruktionspolitik radikalisierter Kräfte, deren Ziel die Liquidation und sonst nichts ist. Der gewählte Präsident der Palästinenser im Gazastreifen, Mahmud Abbas, sitzt in Ramallah wie ein entmachteter Landrat, der nicht einmal mehr das Profil einer politischen Geisel hat.
