Wenn man einem potenziellen Käufer einen Anreiz im Wert von ca. 150 Euro gibt, so wird ihn das sicherlich veranlassen, eine Investition von 20.000 Euro zu tätigen. Oder wenn man jedem Bundesbürger 200 Euro in die Hand drückt, dann wird er oder sie immerhin die Hälfte davon gleich in den Konsum tragen. Oder wenn man die Krankenkassenbeiträge senkt und den Differenzbetrag staatlich subventioniert, dann wird das sicherlich die Wirtschaft ankurbeln und der Konjunktur auf die Sprünge helfen.
Derartige oder ähnliche Spekulationen, ausgelöst durch die vorweihnachtlichen Gedankenspiele einer ganzen Politikerklasse, jagen momentan durch die mediale Welt und leisten für sich genommen den größten Beitrag zur Freude am Feste Christi Geburt. Dokumentieren diese, immer wenige Zentimeter unter der Grasnarbe liegenden Szenarien doch den allgemeinen, tendenziellen und absoluten Fall der Technokratie. Nicht, dass die Denkweise der Instrumentalisierung mit allen Konsequenzen ausgedient hätte, aber die Träger der Idee, Politik ließe sich mit Rechnerei gestalten, die werden im neuen Jahr zunehmenden Legitimationsproblemen ausgesetzt sein.
Ihre separierte und derangierte Arithmetik nämlich, dass sich die Bedürfnisse von Menschen und deren Wünsche über die Entschlüsselung von Statistiken erschließen lassen, die wird wohl kaum noch einen Charme ausüben auf diejenigen, um die es geht. In einer Gesellschaft, in der das nackte Überleben auf der einen, und die Ratlosigkeit über eine sinnvolle Geld- und Investitionsanlage auf der anderen Seite besonders groß sind, eine solche Gesellschaft bringt ihren durcheinander gebrachten Markt nicht wieder mit ein Paar Prozentpunkten mehr oder weniger der staatlichen Subvention zum Funktionieren.
Eine Wahrnehmung der Markt- und Arbeitsstrukturen auf unserem Globus wäre da genauso vonnöten wie eine Vorstellung davon, was Menschen zu konstruktivem wirtschaftlichen Handeln motiviert. Und ein Blick darauf bietet gleich die Möglichkeit, eine Idee davon zu erhalten, wie frei der homo oeconomicus zu sein hat, bevor er sich mit seinem Handeln identifiziert und das Risiko bereit zu tragen ist. Bürokratische Schranzen, die tabellarisches Interpolieren mit Politik verwechseln und denken, das Schema der Berechnung ersetze den Willen zur Gestaltung, besitzen nicht die Fähigkeit, eine globalisierte Entwicklung verantwortungsvoll zu steuern.
Wir erleben, wie die Prothesengötter mit ihren phallischen Instrumenten in den Himmel deuten, um der Masse die Illusion zu suggerieren, sie besäßen den Draht, um eine Krise zu lösen, die an keiner Grenzstation Halt zu machen bereit und fähig ist. Die Blitze der Erleuchtung vortäuschend, suchen sie zu verbergen, wie begrenzt die eigenen begrifflichen Möglichkeiten noch geblieben sind. Und diejenigen, denen sie dieses Stück aufführen, beginnen sich zu fragen, ob sie ihren Augen noch trauen sollen, ob der Gewissheit, wie dürftig die schauspielerische Leistung, die Regieanweisung und schon gar die literarische Vorlage ist.
Im schönen Asien pflegt man zu sagen, es sei nicht möglich, sich mit einem Brunnenfrosch über den Ozean zu unterhalten. Das weiß man dort schon seit langem, und eigentlich auch hier im Westen. Nur scheint es zu sein, dass wir in Zeiten der Krise gerade begreifen, wer die eigentlichen Brunnenfrösche sind. Und das ist doch ein Grund zur Freude, in einer globalen Welt!
