Die Geographie der Regierungsform

Erstaunlicherweise spielen die Klimazonen in der staatlichen Konstituierung und Regierungsform eine nicht unerhebliche Rolle, auch wenn die Typisierung im Einklang mit der Globalisierung ins Wanken geraten ist. In den Tropen ist die Konstitution fast völlig unerheblich, ob Monarchen oder Demokraten, Diktatoren oder Volkstribune regieren, ob präsidial oder föderal: Man nimmt es nirgendwo so genau, der Lebensstil hebt sich wohltuend von der Staatsdoktrin ab, die Beamtenschaft ist korrupt und irgendwie geht das Leben weiter. Meist hat man viele Ressourcen, und notfalls veräußert man das Recht an Dritte, Emsige, die sie ausbeuten und den Goldzins neben der Kokosnuss liegen lassen.

In den Wüsten dieser Welt herrschen meist die Autokraten mit harter Hand, die Peitschenschläge erschallen unter der unbarmherzigen Sonne. Zumeist treibt es eine familiäre Oligarchie in der Nacht mit allem und allen, die Geschäfte blühen und Bakschisch ist das Schmieröl für die rigide Staatsführung. Der Reichtum stammt ausschließlich aus dem Öl, und wer es besitzt, hat das Recht auf göttlichen Wohlstand, und wer es nicht besitzt, hat keine Existenz. Wer nicht zu den Erlesenen gehört, der träumt von einer anderen Welt jenseits des Irdischen, denn es ist schlimm bestellt um sein Schicksal und auf Besserung besteht keine Hoffnung.

Die gemäßigten Zonen wiederum zeichnen sich zumeist durch wirtschaftliche Blüte und politische Vernunft aus. Das liegt an vielen Einschränkungen, denen die Menschen in diesem Klima unterlagen. Da gab es nichts in Hülle und Fülle, nein, alles musste hart erarbeitet und konserviert werden und somit entwickelte man neben den vielen Reichtümern auch Eigenschaften, die den größten Reichtum im Stadium der Zivilisation bilden: Disziplin und Mäßigung als kollektive Qualität. Die Demokratien in den gemäßigten Zonen sind moderat und das Prinzip des Staatswesens ist zumeist der Konsens. Die Reichen sind reich wie überall auf der Welt, die Armen sind arm wie überall. Nur weil selbst Armut in den gemäßigten Zonen wesentlich teuerer ist als in den Tropen oder der Wüste, zahlt der Staat den Armen etwas dazu, damit sie so leben können wie die Armen überall auf der Welt.

Dass das Leben ungerecht ist, scheint eine Gewissheit zu sein, an der wir noch über Generationen zu knabbern haben werden, aber dennoch ergibt die Welt in ihrer geographisch-politischen Ordnung noch irgendwo einen Sinn. In den Tropen werden die Menschen morgens von den Schreien wilder Affen und Papageien geweckt, in den Wüsten versteckt man sich hervorragend vor der Autokratie und in den gemäßigten Zonen genießt man den Segen der elektronischen Information.

Schlimm wird es nur, wenn sich die Güte der Regierungsführung im Rahmen der Globalisierung vermischt, weil die Werte, mit denen die jeweiligen Eliten ausgestattet sind, einem globalen Prozess der Nivellierung ausgesetzt sind. Und wir, hier in den gemäßigten Zonen, wir können nur für unsere Verhältnisse Zeugnis abliefern. Aber werden unsere Regierungen und Staatsapparate nicht immer unfähiger, korrupter und verantwortungsloser? Demoralisieren sie uns nicht täglich mehr, weil sie uns mit einer Impertinenz vorleben, was dem Anstand einer gemäßigten Zone so gar nicht entspricht? Nicht selten haben wir bei der Lektüre der Zeitung den Eindruck, als lebten wir in einer Bananenrepublik. Nur wecken uns morgens weder Affen- noch Papageienschreie, es wachsen keine süßen Früchte an den Bäumen, es ist nicht warm und die Sonne scheint auch nicht für uns. Und das ist einfach ungerecht!