Tanjung Priok

Ein Name, der für die Wucht der Veränderung steht. Ein Hafen, der aus den Wassern der Java See gespeist wird und dessen Vitalität für die Anarchie und die Explosivität gewaltiger gesellschaftlicher Veränderung steht. Im Norden Jakartas gelegen, ist dieser Hafen Zeuge ungesteuerter Veränderung. Dort, wo die großen Fähren mit tausenden Menschen überladen die millionenfache Stadtbevölkerung über die Meere zu den verschiedenen Inseln des Landes bringen, wenn der Fastenmonat Ramadan beginnt. Schwer beladen mit den kulinarischen Schätzen dieser ins uferlose wuchernden Metropole schwärmen sie aus in die Provinzen ihrer Herkunft, um die Daheimgebliebenen von der Früchten ihres Erfolges kosten zu lassen, so bescheiden der am Ende auch aussehen mag. Sie ziehen von allen Teilen der Fünfzehnmillionenmetropole durch das im Norden gelegene Chinesenviertel Glodok, wo sie die letzten Geschenke kaufen, die schon lange in keinen Koffer und in keine Tasche mehr passen. Vorbei an stinkenden Märkten und fauligen Supermärkten, an illustren Spielhöllen, an Bahngleisen entlang, wo die minderjährigen Huren ihre Freier in Fernsehkartons empfangen, vorbei an großen Displays, die mit riesigen Lauflettern das Glück in Form der neuesten Produkte verheißen, zu Fuß, mit Fahrradtaxen oder zu fünft auf dem Moped. Hier und da machen sie dann doch wieder Halt, um einem bärtigen Chinesen mit langem Nagel am kleinen, und einem in der feuchten Tropensonne matt glänzenden, mächtigen Rubin am anderen Finger ein letztes oleh-oleh, ein Geschenk von der Reise abzukaufen oder ein nasi goreng bei einer Tasse bittersüßem Tee zu verschlingen. Zeit bringen sie mit, denn die Schiffe sind immer ausgebucht, und manchmal springen sie noch auf, wenn es schon ausläuft, bedächtig tief liegend, stöhnend und schwer schnaubend.

In nur ein oder zwei Wochen werden sie zurück kommen nach Tanjung Priok, den Hafen Jakartas, in dem der größte Gong Asiens beherbergt ist, zu dem in der Silvesternacht Hunderttausende pilgern, wenn er geschlagen wird, um sich das Glück zu wünschen, in der jährlich mehr und mehr unter den Meeresspiegel sinkenden Metropole zu überleben. Und wenn sie zurückkehren, dann bringen sie noch Freunde und Verwandte mit aus ihrem Heimatdorf, junge Leute, die den Willen verloren haben, in den Dörfern der Reisernte oder dem Fischfang nachzugehen und auf die tropische Nacht zu warten. Was an Waren in den Provinzen geblieben ist, bekommen die Schiffe nun mit neuen Menschen in die vollen Bäuche gestopft und so schnaufen sie zurück in den Hafen Tanjung Priok und im Laufe weniger Tage nach dem lang ersehnten Fest Idul Fitri bringen sie jährlich eine halbe Millionen mehr Menschen nach Jaya Karta, die Große, die Siegreiche, und sie werden bleiben. Vom Tage Eins an werden sie sich dem Überlebenskampf stellen, die Batak, die Dayak, die Javaner, die Balinesen, die Papua, die Mindanao, die Molukker und Bugi. Aus allen Teilen des Inselreiches eilen sie herbei, um im Tiegel der südostasiatischen Kulturen gebrannt zu werden. Mit Kopftüchern geschmückt und anmutend wie Piraten aus der Vorzeit, stellen sie sich dem Kampf in einer der vitalsten Arenen der Globalisierung.